TTF Liebherr Ochsenhausen – Borussia Düsseldorf 1:3

1:3 im Liebherr TTBL-Finale: TTF verfehlen den Titel

Vor 2.700 Tischtennis-Fans in der Frankfurter Fraport-Arena, darunter bestimmt 200 Ochsenhausener, die für prächtige Stimmung sorgten, hat es für die junge Mannschaft der TTF Liebherr Ochsenhausen noch nicht zum ganz großen Wurf gereicht. Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft unterlagen die Schützlinge von Dubravko Skoric bei sommerlicher Hitze auߟen und innen Rekordmeister Borussia Düsseldorf mit 1:3.

 

Der TTF-Kontrahent brachte dadurch seinen 30. nationalen Meistertitel unter Dach und Fach. Zudem glückte den Rheinländern damit das dritte Triple ihrer Vereinsgeschichte nach 2010 und 2011, bestehend aus Champions League, Pokal und Meisterschaft. Das ist auߟergewöhnlich und wurde auch von TTF-Präsident Kristijan Pejinovic neidlos anerkannt. €ž"Hut ab vor Düsseldorf und unseren herzlichen Glückwunsch zu einer herausragenden Leistung!œ", so Pejinovic. "€žHeute hat man gesehen, wie Düsseldorf und besonders Timo Boll den Schwung aus der Champions League mitgenommen haben."

 

In der Tat machte ein glänzend aufgelegter Timo Boll den Unterschied, der am Anfang Simon Gauzy keine Chance lieߟ und am Ende die TTF-Niederlage durch einen Erfolg über Hugo Calderano besiegelte, der allerdings deutlich knapper ausfiel. Schade insofern, als beide den Weltranglistendritten bereits öfters geschlagen hatten und auch in den letzten Wochen gegen ihn erfolgreich waren. Aber heute warf der 37-jährige Ausnahmespieler seine ganze Routine und das Selbstvertrauen durch den Champions-League-Sieg seiner Borussia vor acht Tagen in Orenburg in die Waagschale und spielte praktisch fehlerfrei.

 

Calderano hatte durch ein 3:1 gegen den künftigen Ochsenhausener Stefan Fegerl die TTF in Führung gebracht, Boll gegen Gauzy egalisiert. Joao Geraldo, der diesmal den Vorzug vor Jakub Dyjas erhalten hatte, schien im dritten Match des Tages bei einer 2:0-Satzführung gegen Kristian Karlsson auf der Siegerstraße zu sein. Doch der Weltranglisten-17. aus Schweden gab im Linkshänderduell nochmals Gas und bei dem TTF-Portugiesen häuften sich die Fehler, so dass am Ende doch der Düsseldorfer zum vorentscheidenden 2:1 punktete.

 

Geraldo, der nach Frankreich wechselt aber weiterhin in Ochsenhausen trainieren wird, war nach seinem vorerst letzten Spiel für die Oberschwaben am Boden zerstört und kämpfte mit den Tränen. Sein Teamkollege Simon Gauzy verstand das gut: "€žJoao hatte heute eine gute Siegchance gegen Kristian und war in den ersten beiden Sätzen der bessere Mann. Klar, dass er jetzt enttäuscht ist."

 

So stand Hugo Calderano im Match gegen Timo Boll mit dem Rücken zur Wand, da er um jeden Preis gewinnen musste, um sein Team im Spiel zu halten€“ und das machte das Duell mit Düsseldorfs Spitzenspieler, der ohnehin einen traumhaften Tag erwischt hatte, noch um einiges schwieriger. Der 21-jährige Brasilianer gab alles und machte dem deutschen Tischtennis-Ass schwer zu schaffen, doch es fehlte das nötige Quäntchen Glück, besonders in den Sätzen zwei und drei, die mit 13:15 und 17:19 verloren gingen und in denen sich Calderano immer wieder herangekämpft hatte, ohne Happyend.

 

Insgesamt war sein Teamkollege Simon Gauzy zwar traurig, dass es nicht geklappt hat, wollte aber angesichts der Niederlage auch nicht in Schwermut verfallen. "Düsseldorf ist die beste Mannschaft Europas und hat das heute wieder bewiesen. Besonders Timo war unglaublich stark heute"€œ, gab der 23-Jährige zu Protokoll. "€žAber mit etwas mehr Glück hätten wir das Spiel enger gestalten können. Wir lassen den Kopf nicht hängen und greifen nächste Saison wieder an."

 

Kristijan Pejinovic sah es ganz ähnlich: "€žDas war das erste Finale unserer jungen Mannschaft und es gibt keinen Grund, jetzt Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: Wir haben, gemessen an den personellen Problemen und unserem Verletzungspech in der Runde, eine überragende Saison gespielt." Pejinovic präzisierte: "€žWir standen in zwei Halbfinals und haben in Frankfurt um den Titel gespielt. Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft!"€œ Der Titel-Ehrgeiz ist jedenfalls geweckt. "€žEs fühlt sich gut an, hier nach fünf Jahren wieder in einem Finale gewesen zu sein und macht Lust auf mehr"€œ, so der TTF-Präsident. "€žIn diesem Sinne blicken wir jetzt schon wieder nach vorne und haben die Saison 2018/19 im Fokus. Wir werden alles versuchen, hier in einem Jahr erneut um den Titel zu spielen und dann vielleicht ganz oben auf dem Treppchen zu stehen."

 

TTF-Cheftrainer Dubravko Skoric stellte fest: "Schade, aber Düsseldorf und insbesondere Timo Boll waren heute noch die bessere Mannschaft, auch wenn es letztlich keine sehr groߟen Unterschiede waren. Aber die Kleinigkeiten machen es im Topsport eben aus."€œ Skoric fügte hinzu: "€žMeine Mannschaft hat alles versucht und muss sich keinen Vorwurf machen. Sie wird in Zukunft ganz sicher noch weitere Chancen erhalten, um Titel zu spielen."

 

Die Bilanz von TTF-Sportmanager Daniel Zwickl fiel ähnlich aus. "Timo Boll war unheimlich stark heute. Wir haben uns gut präsentiert, doch es hat noch ein Tick gefehlt"€œ, sagte Zwickl. "€žAber wir lassen die Köpfe jetzt nicht hängen, arbeiten weiter an uns und hoffen, in einem Jahr hier erneut um den Titel zu spielen."

 

Auch Timo Boll selbst fand anerkennende Worte für die Truppe aus Oberschwaben. "€žWir hatten heute den kleinen Vorteil, dass wir gut im Tritt waren durch unsere Champions-League-Finalspiele gegen Orenburg", so Boll. "žOchsenhausen wird uns in Zukunft zunehmend zu schaffen machen. Es ist eine junge, sehr gefährliche Mannschaft, für die die Zeit arbeitet."

 

 

Das Finale in der Üœbersicht


TTF Liebherr Ochsenhausen vs€“ Borussia Düsseldorf 1:3
Hugo Calderano vs Stefan Fegerl 3:1 (10:12, 11:8, 11:8, 11:7)
Simon Gauzy vs Timo Boll 0:3 (7:11, 6:11, 7:11)
Joao Geraldo vs Kristian Karlsson 2:3 (11:8, 11:8, 1:11, 4:11, 6:11)
Hugo Calderano vs€“ Timo Boll 0:3 (6:11, 13:15, 17:19)