3:0 in Bremen: TTF nach Klasseleistung wieder auf Play-off-Platz

SV Werder Bremen – TTF Liebherr Ochsenhausen 0:3

3:0 in Bremen: TTF nach Klasseleistung wieder auf Play-off-Platz

 

Nachdem die junge Truppe der TTF Liebherr Ochsenhausen am Freitagabend gegen Saarbrücken ein kräfte- und nervenzehrendes Match mit etwas unglücklichem Ausgang hatte, standen doch einige Fragezeichen vor dem heutigen Bundesligaspiel beim SV Werder Bremen. Umso erfreulicher, dass die Schützlinge von Dubravko Skoric an der Weser wie aus einem Guss spielten und dem bisherigen Tabellendritten vor 425 Zuschauern keine Chance ließen.
Man sieht, dass die Mannschaft auch ohne den immer noch nicht einsatzfähigen Simon Gauzy ein hohes Potenzial hat und dass auch Hugo Calderano, seit Wochen in Topform, das Zeug zum Führungsspieler hat. In sechs Tagen hatte man drei Spiele gegen Spitzenmannschaften und hat sich zweimal überragend präsentiert und ungefährdete 3:0-Siege eingefahren. Und das Champions-League-Spiel gegen Saarbrücken hätte mit einem Tick mehr Glück auch gewonnen werden können, fast sogar müssen.


Die Begegnung in Bremen war immens wichtig. Da sich fünf Kandidaten um drei vakante Play-off-Plätze bewerben – davon ausgehend, dass Titelverteidiger Düsseldorf als Erster ins Ziel kommt und von keinem Ligarivalen in der Punktrunde mehr abgefangen werden kann –, hätten die TTF bei einer Niederlage den Anschluss verloren. So aber konnten sie sich wieder auf Rang vier vorschieben, punktgleich mit dem Fünften Bremen (beide 16:10) und zwei Zähler vor dem Tabellensechsten Mühlhausen. Man steht nun also wieder auf einem Play-off-Platz und sitzt den Teams aus Saarbrücken und Fulda im Nacken, die jeweils 18:8 Punkte vorweisen können. Am 11. Februar kommt es zum Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten aus Saarbrücken, ganze zwei Tage nach dem Viertelfinal-Rückspiel in Europas Königsklasse. Mit einem Sieg wären die TTF wieder ganz vorne mit dabei, mit besten Aussichten auf die Endrundenteilnahme.


In Bremen konnten die Oberschwaben gleich im ersten Match ein Ausrufezeichen setzen. Jakub Dyjas, am Freitag gegen Tokic noch an seinen Nerven gescheitert, bezwang den deutschen Nationalspieler Bastian Steger nach einem starken Auftritt und hatte seinen Gegner im Entscheidungssatz klar im Griff. Durch die Niederlage des Werder-Leaders war dem Gegner zwar noch nicht der Zahn gezogen, jedoch ein deutliches Signal an die Mitspieler ausgesendet, dass heute etwas gehen könnte.


Und dann kam Hugo Calderano an die Reihe, bei den Ungarn Open stark, gegen Mühlhausen stark, gegen Saarbrücken stark und heute nahtlos an seine letzten Auftritte anknüpfend. Was er im Duell der Weltranglisten-Nachbarn gegen den Ägypter Omar Assar, als Nummer 16 sogar noch einen Platz vor ihm notiert, „hervorzauberte“, war erste Sahne. Der 1,96 Meter große Nordafrikaner schnappte sich zwar den ersten Satz, doch dann nahm Calderano das Heft in die Hand und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen, auch wenn es im vierten Durchgang nochmals eng wurde.


Bei so viel Weltklasse-Tischtennis wollte auch Yuto Muramatsu nicht nachstehen. Der Defensivkünstler aus Japan, der am Freitag gegen Baum noch ungewohnte Schwächen zeigte, hatte den Rumänen Hunor Szöcs gut im Griff und ließ seinem Gegner keinen Satz – selbst wenn es phasenweise etwas enger wurde, hatte man nie das Gefühl, dass Muramatsu das Match aus der Hand geben könnte. Nach einer Gesamtspieldauer von nur zwei Stunden und fünf Minuten war einer der wichtigsten TTF-Erfolge der bisherigen Saison eingetütet.


TTF-Sportmananager Daniel Zwickl geizte denn auch nicht mit Lob für das gesamte Team: „Das war schon klasse, wie die Mannschaft diese schwierige, harte Woche abgeschlossen hat und wie überzeugend sie im vielleicht wichtigsten dieser drei Spiele aufgetreten ist. Nur wenige Mannschaften können hier mit 3:0 gewinnen.“


In der Einzelkritik hob Zwickl besonders Jakub Dyjas lobend hervor: „Jakub hat auf die Niederlage am Freitag gegen Tokic super reagiert. Wir haben ihn gut motiviert und die anderen Spieler haben ihm auch mit Ideen geholfen, was er verbessern kann. Und wie er es dann gegen Steger umgesetzt hat, war prima. Wir haben immer an ihn geglaubt und wussten, dass er auch gegen gute Leute gewinnen kann.“


Auch über Hugo Calderano gibt es nur Positives zu berichten. „Hugo hat sein zuletzt sehr hohes Niveau weiter stabilisiert“, so Zwickl. „Am Freitag hat er fantastisch gespielt, heute gegen Assar, gegen den es nicht einfach ist, da er sehr viele Bälle zurückbringt, war er gut und vor allem sehr konzentriert und fokussiert.“


Yuto Muramtsu hatte sich ebenfalls ein Lob verdient. „Yuto ist mental etwas angeschlagen aus Japan zurückgekehrt, da er bei den Landesmeisterschaften in der ersten Runde ausgeschieden ist“, sagte der Ochsenhausener Sportmanager. „Er war down und wir mussten ihn wieder aufbauen. Heute war sein Auftritt kompakt, besser als am Freitag gegen Baum.“ Zwickl traut dem jungen Japaner noch einiges zu: „Wenn er wieder richtig im Training ist und seine Psyche wieder gut ist, kann er noch besser spielen. Er hat noch etwas zu bieten in dieser Saison.“


Auch TTF-Präsident Kristijan Pejinovic war hochzufrieden: „Glückwunsch an das Team! Das war die richtige Reaktion auf Freitag. Es gibt überhaupt nichts zu bemängeln, alle drei haben eine Klasseleistung geboten. Es freut mich, dass die Kapazität nach dem anstrengenden Freitag noch da war, eine solch tolle Leistung abzurufen.“

 

Das Spiel im Überblick


Bastian Steger – Jakub Dyjas 2:3 (7:11, 11:8, 9:11, 11:9, 5:11)
Omar Assar – Hugo Calderano 1:3 (11:9, 4:11, 8:11, 10:12)
Hunor Szöcs – Yuto Muramatsu 0:3 (9:11, 9:11, 8:11)