3:0 in Fulda: Die TTF sind Herbstmeister

3:0 in Fulda: Die TTF sind Herbstmeister

„Spiele gegen Fulda sind nie einfache Spiele“, hatte Cheftrainer Dmitrij Mazunov vor der Partie beim früheren Angstgegner Fulda-Maberzell gesagt. Er sollte Recht behalten. Trotz des am Ende klaren Ergebnisses von 3:0 war das letzte Vorrundenspiel der TTF Liebherr Ochsenhausen alles andere als eine einfache Übung. Doch mit großem Kämpferherz und vorzüglichem Teamspirit waren die Oberschwaben vor 450 Zuschauern in der Wilmingtonhalle nicht zu schlagen und sicherten sich nach einer überragenden ersten Halbserie mit 18:2 Punkten die inoffizielle Herbstmeisterschaft.


Nach ziemlich genau zwei Stunden war der denkwürdige Erfolg in einem unterhaltsamen Spiel mit vielen Aufs und Abs eingetütet – saison- und wettbewerbsübergreifend der fünfte Sieg gegen die Osthessen in Folge. Jakub Dyjas hatte die Herbstmeisterschaft perfekt gemacht durch seinen Vier-Satz-Sieg gegen den baumlangen Kroaten Tomislav Pucar, Junioren-Europameister von 2017. Pucar lag mehrfach nach ganzen Serien extrem harter und platzierter Bälle klar in Führung, doch der 23-jährige Pole hatte den längeren Atem, blieb immer dran, holte Punkt um Punkt auf und hatte am Ende – bis auf den ersten Durchgang – die besseren Nerven.


„Jakub hatte Pucar in dieser Woche schon einmal geschlagen, nämlich beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Polen und Kroatien“, erläuterte TTF-Cheftrainer Dmitrij Mazunov. „Auch daher hatte er das Selbstvertrauen, immer wieder zurückzukommen und am Ende den Sack zuzumachen.“


Auch die anderen Matches endeten alle nach hartem Kampf mit 3:1 zugunsten der TTF – überrollen wie im Pokalspiel konnte man den Gegner diesmal nicht, doch mit spielerischer und taktischer Qualität abermals auf Distanz halten und damit einen potenziellen Rivalen um die Play-off-Plätze fast schon aus dem Rennen werfen. Zumindest die TTF dürften die Maberzeller bei aktuell zehn Punkten Rückstand nicht mehr überflügeln.


Stefan Fegerl hatte gegen Ruwen Filus, eines von zwei Fuldaer Abwehr-Assen, den Auftakt gemacht. Hoch motiviert war der schlaksige Österreicher an den Tisch gegangen gegen einen Kontrahenten, gegen den er eine deutlich positive Bilanz aufwies. Fegerl hatte in den ersten beiden Sätzen wenig Mühe, dann verlor er den dritten Durchgang – an sich normal, dass in einem so schwierigen Match zwischenzeitlich einmal die Konzentration einen Tick nachlässt. Was dann geschah, lassen wir den TTF-Profi selbst schildern. „Ich war im vierten Satz wieder voll da und ging mit 9:1 in Führung“, so Fegerl. „Und auf einmal habe ich meine taktische Linie nicht mehr beibehalten und fühlte mich wohl auch schon etwas zu sicher, Filus machte Punkt auf Punkt und plötzlich lang ich mit 9:10 zurück. Das darf mir eigentlich nicht passieren.“ Der Ochsenhausener wirkte nun völlig verunsichert. Fast jeder in der Halle dachte, es würde einen Entscheidungssatz geben. Doch Fegerl fing sich wieder, drehte den Satz zu seinen Gunsten und brachte damit das Match nach Hause. „Die Jungs auf der Bank haben mich toll angefeuert. Bei 9:10 blickte ich dorthin und sah nur positive Gesichter, das hat mir Auftrieb gegeben und ich fand wieder ins Spiel,“ zollte der Sieger auch seinen Kollegen sowie dem Trainer- und Betreuerstab großes Lob.


Simon Gauzy schien gegen Wang Xi zunächst auch klar auf Siegkurs zu sein und gewann die beiden ersten Sätze hoch. Auch hier ging der dritte Durchgang weg, und im vierten Satz sah es lange nicht gut aus. Fuldas in China geborene Nummer zwei lang anfänglich klar in Front, doch der 24-jährige Franzose kämpfte sich nach 1:6-Rückstand wieder heran und konnte sich für seine Energieleistung schließlich mit einem 12:10 belohnen. 2:0 für die TTF, die Vorentscheidung war gefallen. Und dann vollendete Jakub Dyjas das Werk. Rund 20 mitgereiste TTF-Fans, die während des gesamten Spiels für gute Stimmung gesorgt hatten, feierten das Team und den Trainer gebührend.


„Ich bin sehr glücklich, dass wir dieses Spiel letztlich klar gewonnen haben und zum Ende der ersten Halbrunde ganz oben stehen“, sagte Stefan Fegerl. „Ich bin mit meinen Leistungen auch zufrieden, auch wenn ich mir heute gegen Ruwen Filus das Leben selbst etwas schwer gemacht habe.“


„Hugo hatte zuletzt Probleme mit der Schulter gehabt, inzwischen ist es besser und er konnte auch schon wieder trainieren, wir wollten aber mit Blick auf die kommenden schweren Spiele kein Risiko eingehen“, erklärte „Dima“ Mazunov seinen Verzicht auf den Weltranglisten-Neunten, der seine Mitspieler am Rande der Bande begeistert anfeuerte. „Außerdem haben wir eine so starke, ausgeglichene Mannschaft dass es letztlich egal ist, wer spielt.“ Zum Spiel selbst sagte der Cheftrainer: „Es war keine einfache Aufgabe, aber wir haben sehr gut gekämpft und auch spielerisch gut ausgesehen, so dass der Sieg auch in dieser Höhe verdient ist.“ Mazunovs kurzes Fazit der ersten Halbserie: „Natürlich freue ich mich über die Herbstmeisterschaft nach einer sehr guten Vorrunde, doch dafür kann man sich noch nichts kaufen. Richtige Titel sind schöner.“


„Herbstmeisterschaft – das hatten wir schon lange nicht mehr“, so TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. „Nach einer überagenden Vorrunde absolut verdient. Respekt und Gratulation an das Team und unsere Trainer!“


Auch TTF-Sportmanager Masatoshi Kobayashi lobte die Leistungen des Teams: „Wir haben eine sehr gute Vorrunde gespielt und stehen im Moment verdient auf Platz eins. Wenn man bedenkt, wie viele Spiele unsere Jungs bestreiten mussten, gerade auch auf der World Tour und für ihre Nationalmannschaften, wiegen ihre starken Leistungen umso schwerer.“ Doch Kobayashi tritt auch ein wenig auf die Euphorie-Bremse: „Noch ist nicht viel erreicht, es kommen noch viele schwere Spiele auf uns zu und die großen Entscheidungen stehen alle noch bevor.“ Der Sportmanager möchte sich noch nicht zu viele Gedanken über das Liebherr Pokal-Finale und die Play-offs machen. „Wir denken grundsätzlich von Spiel zu Spiel. Jetzt müssen wir erst einmal in Grünwettersbach bestehen, das an einem guten Tag sogar Düsseldorf schlagen kann, wie man im Pokal gesehen hat.“ Kobayashi fügt noch einige persönliche Worte hinzu: „Für mich selbst war die erste halbe Saison als Sportmanager und als Teil des Teams auf der Bank sehr schön, interessant und emotional. Wir tun alles, um den Jungs in jeder Situation den nötigen Rückhalt zu geben.“


Noch kurz zur Vorrundenbilanz: Sechsmal schlugen die TTF in Ehingen auf. Heimbilanz: 12:0 Punkte. Zudem gewann man zu Hause das Pokal-Achtelfinale gegen Fulda-Maberzell. Das beste Ergebnis in der Hinrunde fuhr Jakub Dyjas ein, der siebenmal als Sieger den Tisch verließ und nur einmal verlor. Auch die anderen TTF-Profis spielten positiv: Simon Gauzy 8:5, Hugo Calderano 5:4 und Stefan Fegerl 5:2. Dreimal musste man ins abschließende Doppel, alle wurden gewonnen. Dyjas/Fegerl (2:0) und Calderano/Fegerl (1:0) „outeten“ sich als ungemein doppelstark.

 

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – TTF Liebherr Ochsenhausen 0:3


Ruwen Filus – Stefan Fegerl 1:3 (4:11, 7:11, 11:8, 10:12)
Wang Xi – Simon Gauzy 1:3 (4:11, 5:11, 11:9, 10:12)
Tomislav Pucar – Jakub Dyjas 1:3 (11:5, 11:13, 9:11, 7:11)