Atemstillstand in Ochsenhausen: TTF gewinnen Bundesliga-Krimi gegen Saarbrücken

TTF Liebherr Ochsenhausen – 1. FC Saarbrücken TT 3:2

Atemstillstand in Ochsenhausen: TTF gewinnen Bundesliga-Krimi gegen Saarbrücken

 


Da kann kein „Tatort“ im TV in Sachen Spannung mithalten. Knappe zwei Tage nach dem Wahnsinnspiel in der Champions League und dem tollen TTF-Sieg an der Saar, konnten Hugo Calderano und Kollegen heute auch das wichtige Bundesligaspiel des 14. Spieltags gegen Saarbrücken gewinnen, das nochmals einen Tick enger und spannender war. Beim 3:2-Erfolg der TTF wurde den Fans in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Dr.-Hans-Liebherr-Halle mehr als dreieinhalb Stunden prickelndes Spitzentischtennis geboten. TTF-Präsident Kristijan Pejinovic: „Das war Wahnsinn, jedes Spiel Atemstillstand, eine Werbung für unseren Sport bei ausverkaufter Hütte und einer Riesenstimmung!“


Wichtiger Sieg der TTF


Und es war ein extrem wichtiger Sieg in Hinblick auf die Qualifikation für die Play-offs. Bei einem Erfolg der Saarländer wären diese davongezogen und den TTF um vier Punkte enteilt. So aber sind beide Teams nun punktgleich (18:10) und die Oberschwaben gehen als Tabellendritter in die letzten vier Partien mit nun besten Chancen, einen der ersten vier Plätze einzutüten. Mit allen „Großen“ hat man bereits die Klingen gekreuzt und das Restprogramm erscheint gut machbar, wobei natürlich alles erst gespielt werden muss. Dennoch war der 11. Februar vermutlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Play-offs. Das Tor ist weit aufgestoßen, nun haben es die jungen Wilden aus Ochsenhausen in eigener Hand, die Sache zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.


Jakub Dyjas setzt Glanzlichter


Held des Tages war diesmal Jakub Dyjas, auf den absolut Verlass war. Bei seinen Siegen gegen Patrick Franziska (3:0) und Bojan Tokic (3:2) agierte er spielerisch auf hohem Niveau und zeigte sich überdies nervenstark. Der 22-Jährige hat sein Tief nun endgültig überwunden, was sich bereits in den letzten Wochen angedeutet hatte.


Der Auftakt verlief jedoch vor 500 erwartungsvollen Fans, die natürlich hohe Erwartungen in den frischgebackenen Champions-League-Halbfinalisten setzten, ernüchternd. Nicht etwa, weil das Match zwischen Spitzenspieler Hugo Calderano – Simon Gauzy hatte das Trainerteam noch einmal pausieren lassen – und 1.FCS-Routinier Bojan Tokic schlecht gewesen wäre, das Gegenteil war der Fall. Sondern weil es kein Happyend für den TTF-Brasilianer gab, der seinen Erfolg gegen den Slowenen vom Freitag nicht wiederholen konnte, eine 7:2- und 9:4-Führung im fünften Satz sowie drei Matchbälle „versemmelte“ und mit 13:15 unglücklich den Kürzeren zog. Eine Dramatik, wie sie den ganzen Tischtennis-Nachmittag durchziehen sollte.


Jakub Dyjas war an der Reihe und ließ sich von der Niederlage seines Teamkollegen kein bisschen beeindrucken. Gegen DTTB-Nationalspieler Patrick Franziska zeigte der junge Pole eine Klasseleistung und überließ seinem Gegner keinen Satzgewinn. 1:1 – die TTF waren wieder mittendrin statt nur dabei.
Nun ruhten die Hoffnungen auf Yuto Muramatsu, der Patrick Baum beim Pokal-Final-Four und am Freitag in der Königsklasse besiegt hatte. Auch diesmal sah es lange danach aus – der 21-jährige Japaner führte schnell mit 2:0 Sätzen und schien auf der Siegerstraße, doch sein Gegner kam nachfolgend immer besser ins Spiel und beim TTF-Abwehrspieler häuften sich die Fehler – am Ende stand ein 2:3 auf der Ergebnisliste. Kristijan Pejinovic wollte mit Muramatsu nicht hadern: „Baum hat heute einfach sehr gut gespielt.“ Und der Sieger sagte: „Nach dem 0:2-Rückstand habe ich mich nochmal sehr konzentriert und dann gut in meinen Rhythmus gefunden.“ Baum ergänzte: „Eigentlich spiele ich ganz gerne gegen Abwehr, auch wenn es schwer ist, das gut zu trainieren, da man zu selten Trainingspartner hat, die so spielen.“


Erneut also liefen die TTF einem Rückstand hinterher und es war an Hugo Calderano, sein Team im Spiel zu halten gegen Patrick Franziska, gegen den er am Freitag noch mit 2:3 den Kürzeren gezogen hatte. Doch der 1,92 Meter große Hesse in Saarbrücker Diensten war heute kein unüberwindliches Hindernis. Calderano, der furios begann (11:1), dann aber zwei Sätze lang mächtig zu kämpfen hatte (jeweils 12:10) egalisierte für die Oberschwaben.


Nun hieß es also wieder einmal Dyjas vs. Tokic im alles entscheidenden Match – im Königsklassen-Hinspiel hatte der TTF-Profi gegen den 15 Jahre älteren Saarbrücker in derselben Konstellation den Kürzeren gezogen. Und auch diesmal war es ein schwieriges Spiel. Dyjas fand zunächst schwer in seinen Rhythmus und verlor Durchgang eins und drei relativ deutlich, sein Gegner lag mit 2:1-Sätzen in Front. Der 22-Jährige legte jedoch seine Nervosität ab und schaltete den Turbo ein. Nach dem 2:2-Ausgleich ging es in den Entscheidungsdurchgang, bei dem die meisten ein ganz knappes Zielfinish erwarteten. Pustekuchen! Dyjas war nun nicht mehr zu bremsen, traf jeden Ball und schenkte seinem konsternierten Gegner ein 11:1 zum umjubelten Ochsenhausener 3:2-Sieg ein. Ein Wahnsinnsspiel hatte einen sensationellen Abschluss gefunden.


Harte Arbeit wird belohnt


TTF-Sportmanager Daniel Zwickl freute sich sehr. „Es war heute wieder mindestens so spannend wie am Freitag. Unser ältester Spieler heute am Tisch war 22, da sind Ups und Downs viel häufiger als bei so erfahrenen Spielern wie den Saarbrückern“, so Zwickl. „Wir haben aber immer an unsere Qualität geglaubt und arbeiten sehr hart für den Erfolg, auch in mentaler Hinsicht, was sich gerade jetzt bei Jakub ausgezahlt hat. Solche Spiele wie heute bringen ihn und das gesamte Team weiter.“ Die Play-offs seien, wie Zwickl betont, gar kein Thema in den Vorbesprechungen zum Spiel gewesen. „Wir nehmen jedes Spiel voll an und konzentrieren uns nur darauf, egal wer der Gegner ist. Wir reden darüber, wie wir das Beste für das Team herausholen können und wie wir gemeinsam etwas kreieren können.“


„Das ging an die Psyche“


Kristijan Pejinovic hatte 210 Minuten mitgelitten und mitgefiebert und stand fünf Minuten nach Spielende noch unter dem Eindruck des packenden Geschehens. „Das ging an die Psyche, das war Gehirnwäsche pur, für beide Seiten“, so der TTF-Präsident. „Die Spieler sind auch nur Menschen und jetzt liefern sie sich zum vierten Mal in diesem Jahr so einen Krimi, irgendwann kommt dann der Punkt, wo bei einem plötzlich die Luft raus ist – und das war, trotz aller Erfahrung, dann im letzten Satz bei Tokic der Fall. Doch stark war, wie Jakub das erzwungen hat und wie die Halle gebebt hat!“


„Es war ein sehr wichtiges Spiel und wir haben deswegen verloren, weil wir heute mental nicht so gut waren“, so Saarbrückens Patrick Baum. „Wir haben ein strammes Restprogramm und spielen unter anderem noch gegen Düsseldorf, Fulda und Bremen. Dennoch haben wir es selbst in der Hand und ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen.“


Zuversichtlich können spätestens seit heute auch die TTF Liebherr Ochsenhausen sein, die von fünf Vergleichen mit Saarbrücken in der laufenden Saison drei gewonnen haben und heute erstmals auch vor heimischer Kulisse erfolgreich waren.


EnBW-Schul-Cup: Auch die Kids kamen auf ihre Kosten


Einen Dank wollte Kristijan Pejinovic am Ende noch loswerden, schließlich fand im Rahmen des Spiels auch die Siegerehrung für das Kreisfinale von Jugend trainiert für Olympia, dem Highlight des EnBW-Schul-Cups, statt: „Wir bedanken uns beim Schulamt Biberach und der EnBW, ohne diese beiden Partner wäre ein solches Projekt nie und nimmer zu stemmen. Umso schöner, dass die Kids dann auch noch ein so tolles Bundesligaspiel erleben konnten.“


Das Spiel im Überblick


Hugo Calderano – Bojan Tokic 2:3 (7:11, 11:6, 12:10, 7:11, 13:15)
Jakub Dyjas – Patrick Franziska 3:0 (12:10, 11:6, 11:9)
Yuto Muramatsu – Patrick Baum 2:3 (11:9, 11:6, 8:11, 7:11, 9:11)
Hugo Calderano – Patrick Franziska 3:0 (11:1, 12:10, 12:10)
Jakub Dyjas – Bojan Tokic 3:2 (6:11, 11:8, 6:11, 11:7, 11:1)