Calderano-Gala im Audi Dome: TTF gewinnen „Supercup“

Calderano-Gala im Audi Dome: TTF gewinnen ``Supercup``

Borussia Düsseldorf – TTF Liebherr Ochsenhausen 2:3

 

Natürlich stimmt der zweite Teil der Headline nicht, da es nur ein gefühlter und kein offizieller Supercup im mit 4.500 Besuchern gut gefüllten Münchner Audi Dome war. Beide Teams, Pokalsieger TTF Liebherr Ochsenhausen und der gastgebende Meister Borussia Düsseldorf, spielten aber in dieser prestigeträchtigen Partie so engagiert, als wäre ein Titel zu vergeben gewesen. Doch in der Realität war es eben „nur“ ein Bundesliga-Punktspiel des 19. Spieltags in außergewöhnlichem Ambiente, dessen Endergebnis bedeutet, dass die TTF nun gute Karten haben, die Punktrunde als Erster zu beenden. Als Play-off-Teilnehmer standen sie bereits vorher fest.

 

Zum Auftakt standen sich – nachdem Klavier-Virtuose Joja Wendt und DSDS-Star Marie Wegener die Fans so richtig in Stimmung versetzt hatten – Timo Boll und Simon Gauzy gegenüber. Gauzy hat den Weltranglistenfünften schon öfters geschlagen, doch diesmal wollte es nicht glücken. Nach ausgeglichenem Verlauf der ersten beiden Sätze setzte sich der deutsche Nationalspieler immer besser in Szene und gewann mit 3:1.

 

Doch das wollte Hugo Calderano, dessen Vertragsverlängerung in Ochsenhausen vor wenigen Tagen bekannt gegeben worden war, so nicht stehen lassen. Gegen den Ägypter Omar Assar war der 22-Jährige TTF-Spitzenspieler der dominierende Mann in der Box und hatte beim 3:1 lediglich im dritten Satz Probleme.

 

1:1 zur Pause beim Spitzen-Event im Audi Dome vor großer Kulisse, das seinem Motto „Live-Entertainment und Weltklasse-Tischtennis“ alle Ehre machte. Alles war offen. Und das sollte noch eine Weile so bleiben – insgesamt drei Stunden und 35 Minuten duellierten sich die beiden Giganten des deutschen Mannschaftstischtennis auf Augenhöhe.

 

Zunächst war wieder Düsseldorf an der Reihe, obwohl es erst danach aussah, als könnten die TTF mit 2:1 in Führung gehen. Doch gegen seinen früheren Klubkollegen Stefan Fegerl drehte der Schwede Kristian Karlsson das Match nach zwei deutlich verlorenen Sätzen noch und erkämpfte einen erneuten Vorsprung für die Borussia.

 

Im Düsseldorfer Lager kalkulierte man nun, dass Timo Boll gegen Hugo Calderano den Sack zumachen würde zum 3:1. Doch der Brasilianer steht im internationalen Ranking nur noch einen Rang hinter Boll und ist seit Wochen in Topform. Zudem hat er nicht die geringste Angst vor dem Tischtennis-Promi des DTTB, den er schon mehrere Male geschlagen hat. „Ich bin bereit“, hatte Calderano vor der Partie angekündigt – und das war er auch. In einem Match auf extrem gutem Niveau legte der TTF-Profi zweimal nach Sätzen vor, Boll kam zweimal zurück, doch im Entscheidungsdurchgang machte der Ochsenhauser die Sache mit 11:7 klar und brachte seinem Gegner die zweite Saisonniederlage in der TTBL bei.

 

Damit hatte Calderano sein Team ins Schlussdoppel gerettet. Doch da sah es zunächst überhaupt nicht gut aus für die Formation Gauzy/Fegerl, die zuvor erst einmal in einem Punktspiel im Einsatz war. Die Schweden Karlsson/Källberg, nach drei Einsätzen in der TTBL besser eingespielt, starteten furios, gewannen die ersten zwei Sätze ziemlich deutlich und führten im dritten Durchgang mit 10:8. Der Gegner stand also kurz vor dem Triumph, doch die beiden Ochsenhauser blieben gelassen. Zwei Matchbälle wehrten sie ab, gewannen den Satz noch mit 12:10 und waren auf einmal hellwach und zeigten das zum Sieg nötige Selbstvertrauen. In den Sätzen vier und fünf machten die konsternierten Düsseldorfer zusammen nur noch sechs Punkte.

 

Die TTF hatten eine denkwürdige Partie gedreht. Für die Mannschaft war es auch insofern ein wichtiger Sieg, als es für das Selbstvertrauen gut ist zu wissen, dass man die Borussia auch mit einem starken Boll schlagen kann – es könnte ja in den Play-offs zu einem weiteren Aufeinandertreffen kommen, vielleicht sogar im Finale. Zudem war es psychologisch wichtig, mit dem Rücken zur Wand die Partie noch gedreht zu haben, weil es jedem Spieler gezeigt hat, dass man sich auch gegen einen starken Gegner nie entmutigen lassen darf und immer die Chance hat, das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden.

 

Mehr als dreieinhalb Stunden packendes, hochklassiges Tischtennis mit der Entscheidung im fünften Satz des Doppels – mehr konnte man den 4.500 Zuschauern im Audi Dome einfach nicht bieten. Wobei natürlich beide Mannschaften zu diesem bemerkenswerten Spiel ihren Beitrag geleistet haben.

 

„Für mich war das ein großartiges Spiel, für die Zuschauer war es das sicher auch und zudem war es ein äußerst intensives, spannendes Duell zweier Topmannschaften mit vielen schönen Ballwechseln“, so Cheftrainer Dmitrij Mazunov. „Natürlich war es ein glückliches Ende für uns, da wir nach Rückständen immer wieder zurückgekommen sind. Klar, dafür brauchst du eine gewisse Qualität aber eben auch etwas Glück.“ Mazunov hofft auf positive Nachwirkungen des Erfolgs: „Es ist gut möglich, dass uns das einen extra Schub gibt in Hinblick auf die weiteren Aufgaben und speziell die Play-offs. Zudem ist es immer ein gutes Gefühl, Düsseldorf zu schlagen.“ Besonders erfreut zeigte sich der Trainer über Calderano: „Hugo war in Topform. Er hat in den letzten Wochen auch sehr gut trainiert. Es hat mich gefreut, dass er das heute auch an den Tisch gebracht hat. Das Spiel gegen Timo war von beiden superklasse.“

 

Nicht minder erfreut zeigte sich Vereinspräsident Kristijan Pejinovic. „Es war ein Top-Event mit einer Bombenstimmung in der Halle, da hat einfach alles gepasst – für uns natürlich durch das Happyend noch mehr als für die Düsseldorfer“, sagte Pejinovic, der sich auch darüber gefreut hat, dass mehr TTF-Fans als erwartet mitgereist waren, die das Team mächtig angefeuert haben. „Die Mannschaftsleistung war gut, besonders muss man jedoch Hugo hervorheben – er war der Mann des Tages.“ Nun ist erst einmal etwas Entspannung angesagt: „Wir haben das fantastisch gemacht und die Spitze gehalten. Jetzt können wir uns ohne Stress anschauen, was die anderen am Sonntag in der Liga machen.“

 

Ein gewohnt fairer Timo Boll erkannte die Leistung der TTF an und räumte ein: „Ochsenhausen hat verdient gewonnen.“

 

Das Spiel im Überblick

Timo Boll – Simon Gauzy 3:1 (11:8, 11:13, 11:7, 11:6)
Omar Assar – Hugo Calderano 1:3 (6:11, 2:11, 11:9, 7:11)
Kristian Karlsson – Stefan Fegerl 3:2 (7:11, 6:11, 11:6, 11:9, 11:5)
Timo Boll – Hugo Calderano 2:3 (9:11, 11:5, 9:11, 11:6, 7:11)
Karlsson/Anton Källberg – Gauzy/Fegerl 2:3 (11:8, 11:6, 10:12, 4:11, 2:11)