TTF Liebherr Ochsenhausen – Post SV Mühlhausen 3:0

Den Verfolger auf Distanz gehalten: Starker Jahres-Abschluss der TTF

TTF Liebherr Ochsenhausen – Post SV Mühlhausen 3:0

 

Trotz des ungewöhnlichen Spieltermins am Freitag und des vorweihnachtlichen Einkaufstrubels in Ehingen waren 460 Fans in die Sporthalle des Johann-Vanotti-Gymasiums gekommen und bereuten ihr Erscheinen nicht. Sie erlebten ein spannendes und hochklassiges Spiel gegen einen starken Gegner – die Truppe aus Thüringen ist inzwischen zu einer echten Topmannschaft gereift. Das klare Endergebnis spiegelt nur zum Teil wider, wie umkämpft die Partie phasenweise war. Doch die TTF hielten eben vorbildlich dagegen und hatten in den kritischen Situationen immer die bessere Antwort parat.

 

„Eine wunderschöne Mannschaftsleistung und ein wunderschöner Abschluss der besten Vorrunde seit 2005 und zudem richtig ansehnlich für die Zuschauer“, war TTF-Präsident Kristijan Pejinovic entsprechend hochzufrieden.

 

Man führt die Tabelle zum Jahresende mit 22:4 Punkten an, gefolgt von Bergneustadt (20:6), Düsseldorf (20:6), Saarbrücken (18:6) und Mühlhausen (16:8). Spannend bleibt es oben allemal, die Play-offs sind noch lange nicht eingetütet. Allerdings haben die TTF in der ersten Saisonhälfte alles dafür getan, die Punktrunde mit einem sehr guten Ergebnis abzuschließen.

 

Mit dem Sieg über den Post SV Mühlhausen, dem man im Hinspiel noch mit 1:3 unterlegen war, haben die TTF wettbewerbsübergreifend auch die achte Partie hintereinander in Ehingen gewonnen – man ist gerade vor heimischer Kulisse eine Macht, man ist dort ohne Punktverlust stellt das heimstärkste Team der Bundesliga. Das muss man erst einmal schaffen, besonders wenn man bedenkt, dass Ehingen ja nur die Ausweichspielstätte der TTF ist und die prickelnden Tischtennis-Events dort besonderen Umständen geschuldet sind.

 

Calderano gewinnt Schlüsselspiel gegen Jancarik
Das erste Spiel des Abends entpuppte sich bereits als richtungsweisend. „Dass Hugo das enge Match gegen einen sehr starken Jancarik nach Abwehr von vier Matchbällen noch gewonnen hat, war der frühe Genickbruch für Mühlhausen“, so Pejinovic. In der Tat sah es lange nicht unbedingt nach einem Auftaktsieg für die Ochsenhauser aus. Der Weltranglistensechste und Fan-Zhendong-Bezwinger Hugo Calderano hatte einen schweren Kampf gegen den langen Tschechen Lubomir Jancarik zu bestehen. Zwar gewann der inzwischen weltbekannte TTF-Brasilianer den ersten Satz deutlich, doch in den beiden folgenden, umkämpften Durchgängen hatte sein Gegner knapp die Nase vorn, der in den engen Situationen zunächst die besseren Nerven zu haben schien. Im vierten Satz drehte Calderano erstmals den Spieß herum und gewann mit 11:9 einen Satz, der lange auf des Messers Schneide stand. Doch im Entscheidungsdurchgang schien alles für Jancarik zu laufen, der über 4:1 und 7:3 auf 10:6 davonzog und bis dahin teilweise perfekte Bälle spielte. Auf einmal jedoch zeigte Calderano seine Qualität in einer Situation, in der er mit dem Rücken zur Wand stand. Sechsmal in Folge traf er und spielte Bälle mit hoher Präzision, die ihm zuvor öfters missglückt waren. Man hatte fast den Eindruck als hätte der sechstbeste Spieler der Welt das ganze Match über nur für den Moment geübt, wie er die letzten sechs Punkte am Stück machen und das Spiel noch drehen kann. Hut ab jedenfalls vor dieser mentalen Stärke gegen einen Kontrahenten, der heute gleichwertig war. „Das ging lange so hin und her, mal hat Hugo getroffen, mal Jancarik, doch in der entscheidenden Phase hat Hugo nochmal drei Gänge nach oben geschaltet“, freute sich Pejinovic.

 

Anschließend hatte es der mit einer 8:2-Bilanz bis dahin überragende Jakub Dyjas mit Vize-Europameister Ovidiu Ionescu zu tun. Viele rechneten mit einer ganz engen Kiste. Doch es lief anders. Der 22-jährige Pole war hochkonzentriert und hellwach, während Ionescu unter seinen Möglichkeiten blieb und nur den zweiten Satz eng gestalten konnte. Am verdienten 3:0-Sieg von Dyjas konnte er aber nichts rütteln. „Jakub hat fast fehlerfrei gespielt und Ovidiu einen gebrauchten Tag erwischt, somit hatte er keine Chance“, so die Analyse des TTF-Präsidenten.

 

Simon Gauzy tütet elften TTF-Sieg ein

Noch fehlte ein Punkt und den sollte der aus taktischen Gründen an Position drei aufgestellte Simon Gauzy erspielen – Stefan Fegerl pausierte aufgrund einer Zerrung im linken Bein, auch um in Hinblick auf das Final Four kein Risiko einzugehen. Doch auch Mühlhausen hatte taktisch aufgestellt und seinen besten Mann, den Österreicher Daniel Habesohn (Bilanz: 13:1) als Nummer drei nominiert. Ein richtig dicker Brocken. Und das bestätigten auch die beiden ersten Sätze, die extrem umkämpft waren und jeweils in der Verlängerung ihren Sieger fanden – den ersten gewann Habesohn, den zweiten Gauzy. Doch dann war der Franzose voll auf Betriebstemperatur und richtig drin in seinem Spiel. Gauzy machte in der Folge erstaunlich zügig den Sack zu. „Ab dem dritten Satz hat man es Simon an der positiven Körpersprache angemerkt, dass er die zum Sieg nötige Sicherheit hatte und eigentlich nichts mehr schiefgehen konnte“, so die Beobachtung von Pejnovic. Der elfte Bundesligasieg der Oberschwaben in der Saison 2018/19 war unter Dach und Fach.

 

Das 3:0 gegen einen Mitkonkurrenten um die Play-off-Plätze war ein toller Abschluss des Jahres 2018 mit einem überaus positiven Effekt für die Köpfe der Spieler, und das zwei Wochen vor dem Liebherr Pokal-Finale in Neu-Ulm. „Was willst Du mehr!“ – und das war keine Frage des Vereinspräsidenten sondern eine Feststellung. „Doch jetzt sollen unsere Spieler erst einmal die Weihnachtstage genießen – das haben sie sich wirklich verdient.“

 

Das Spiel im Überblick
Hugo Calderano – Lubomir Jancarik 3:2 (11:5, 9:11, 10:12, 11:9, 12:10)
Jakub Dyjas – Ovidiu Ionescu 3:0 (11:6, 12:10, 11:7)
Simon Gauzy – Daniel Habesohn 3:1 (12:14, 13:11, 11:4, 11:7)

 

Simon gauzy überzeugte mit einer sehr starken Leistung