Erstes Derby, erstes Endspiel

Erstes Derby, erstes Endspiel

Sonntag 15 Uhr, Pokal-Achtelfinale: TTC Neu-Ulm – TTF Liebherr Ochsenhausen

 

Titelverteidiger TTF Liebherr Ochsenhausen wurde ein äußerst interessanter Pokalgegner zugelost – es kommt zum taufrischen Derby beim vor der Saison neu gegründeten TTC Neu-Ulm. Gespielt wird in der Neu-Ulmer ratiopharm arena, jenem Ort, wo die TTF im Januar 2019 den deutschen Tischtennis-Pokal triumphierend gen Himmel reckten. Also ein Heimspiel für beide. Und es könnte spannend werden.

 

Der frischgebackene Bundesligist, mit Wildcard ins Oberhaus eingezogen, hat im Oberhaus bisher zwar drei Niederlagen kassiert aber keineswegs enttäuscht. In Grünwettersbach und gegen Bremen wurde knapp und unglücklich mit 2:3 verloren, und auch beim 1:3 gegen Mühlhausen war man dem Gegner beinahe ebenbürtig. Und das, obwohl die drei gemeldeten asiatischen Topleute alle noch nicht zum Einsatz gekommen sind.

 

Es ist das erste Derby gegen den von Marketingprofi und Sportfan Florian Ebner aus der Taufe gehobenen Verein, der mit zwei Super-League-Chinesen, einem Weltklasse-Koreaner sowie dem Ex-Ochsenhauser Tiago Apolonia, dem Brasilianer Gustavo Tsuboi, dem Franzosen Abdel-Kader Salifou, der in der Liga bereits Vizeweltmeister Mattias Falck besiegt hat, sowie dem Schweden Viktor Brodd und dem 16-jährigen deutschen Toptalent Kay Stumper personell gut aufgestellt ist.

 

Noch einige Worte zu den Top 3: Der 35-jährige Hao Shuai, Nummer eins der Neu-Ulmer, konnte zwar nie einen großen Einzeltitel erringen, zählte aber in den Jahren 2004 bis 2014 zum erlauchten Kreis der Top-Chinesen und spielte Tischtennis auf Weltklasse-Niveau. Hao soll seine Einsätze in der TTBL erhalten. Der Südkoreaner An Jaehyun ist dagegen mit seinen 19 Jahren noch ein Mann für die Zukunft aber bereits bärenstark. Bei der WM in Budapest sorgte er durch großartige Leistungen für Furore und holte Bronze im Herren-Einzel. Wie oft ihn sein Verband so kurz vor Olympia in Deutschland spielen lässt, steht aber noch in den Sternen. Der 30-jährige Cui Qinglei steht im internationalen Ranking nur deshalb so tief, weil sein Verband ihn so gut wie nie auf der World Tour spielen lässt. In der chinesischen Super League hat er schon viele namhafte Gegner geschlagen.

 

Allerdings ist dabei immer zu berücksichtigen, dass gemäß den TTBL-Statuten immer nur ein Nicht-Europäer spielen kann, was die aufstellungstechnischen und taktischen Möglichkeiten der Neu-Ulmer schon wesentlich einschränkt. Wenn einer der an den Positionen eins bis drei gemeldeten Akteure spielen sollte, kann übrigens auch Gustavo Tsuboi als Südamerikaner nicht aufgestellt werden. „Wir wissen nicht, ob Neu-Ulm einen der Asiaten einfliegen lässt“, sagt TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. „Doch darüber zerbrechen wir uns auch nicht den Kopf. Wir legen den Fokus nur auf uns selbst. Wir wollen ins Viertelfinale, egal wer gegen uns aufläuft.“

 

Auf jeden Fall dürfte Neu-Ulm mit einem spielstarken Trio aufwarten. Eine wirklich attraktive Pokalpartie, rund 50 Kilometer von Ochsenhausen und keine 28 Kilometer von der TTF-Spielstätte in Ehingen entfernt. Auch wenn beide Klubs noch nie gegeneinander gespielt haben – in der Liga werden sie erst einige Wochen später die Klingen kreuzen –, spürt man schon einen gewissen Prickel, wie er ein prestigeträchtiges Derby eben auszeichnet. Dass Neu-Ulm als Liganeuling immerhin auf Platz vier der Setzliste stand – die TTR-Leistungswerte der Spieler waren für die Setzung ausschlaggebend –, lässt die Qualität der Truppe erahnen. Ochsenhausen war an Setzposition zwei hinter dem 1. FC Saarbrücken notiert.

 

Beim Double-Gewinner der Saison 2018/19 freut man sich auf das Match, weiß, dass es keine leichte Aufgabe ist und wird den Gegner sehr ernst nehmen. Dass man am Freitagabend zunächst im Ligaspiel in Jülich gefordert ist mit entsprechender sechs- bis siebenstündiger Heimreise, muss man eben wegstecken, wenn man dieses erste „Endspiel“ der Saison gewinnen will – und das will man, ja muss man, wenn man auch im Januar 2020 beim Liebherr Pokal-Finale aufschlagen will.

 

Dass die TTF als Pokalsieger kein Freilos in der ersten Runde haben, wie es in den letzten Jahren üblich war, ist dem Umstand geschuldet, dass erstmals zwölf Bundesligisten am Start sein werden, was zusammen mit den vier Siegern der Vorrunden-Gruppen exakt 16 Teams ergibt, die das komplette Tableau für ein Achtelfinale ergeben. Diesmal werden übrigens als Novum sämtliche Achtelfinalpartien zur selben Zeit ausgetragen.

 

„Ulm ist sehr gefährlich für uns, zumal man aufgrund ihres breit aufgestellten Kaders nie weiß, wer spielen wird“, legt TTF-Cheftrainer Dmitrij Mazunov dar. „Wir versuchen, uns so gut es geht auf das Spiel vorzubereiten. Aufgrund des Spiels in Jülich am Freitag wird dies allerdings nicht leicht. Der Pokalwettbewerb ist sehr wichtig für uns, weshalb wir alles geben werden, um die nächste Runde zu erreichen.“

 

DIE MANNSCHAFTEN

TTC Neu-Ulm
Hao Shuai CHN, 35 Jahre, Weltrangliste Platz ---, Bestplatzierung: Platz 7 (Jan./Febr. 2010), TTBL: ---
An Jaehyun KOR, 19 Jahre, WRL 64, TTBL: ---
Cui Qinglei CHN, 30 Jahre, WRL 986, TTBL: ---
Tiago Apolonia POR, 33 Jahre, WRL 59, TTBL: 3:3
Gustavo Tsuboi BRA, 34 Jahre, WRL 28, TTBL: 1:1
Abdel-Kader Salifou FRA, 29 Jahre, WRL 251, TTBL: 1:1
Viktor Brodd SWE, 29 Jahre, WRL 477, TTBL: 0:1
Kay Stumper GER, 16 Jahre, WRL --- (U16-WRL Platz 14), TTBL: 0:1
Doppel: Tsuboi/Salifou 0:1, Salifou/Stumper 0:1
Trainer: Chen Zhibin GER, 56 Jahre

 

TTF Liebherr Ochsenhausen
Hugo Calderano BRA, 23 Jahre, WRL 6, TTBL: 2:1
Simon Gauzy FRA, 24 Jahre, WRL 20, TTBL: 1:3
Stefan Fegerl AUT, 30 Jahre, WRL 70, TTBL: 0:2
Jakub Dyjas POL, 23 Jahre, WRL 76, TTBL: 0:1
Vladimir Sidorenko RUS, 17 Jahre, WRL 189 (U21-WRL Platz 1), TTBL: 1:0
Cheftrainer: Dmitrij Mazunov RUS, 48 Jahre