Gekaempft wie die Loewen: TTF benoetigen 220 Minuten zum erfolgreichen Saisonauftakt

Gekaempft wie die Loewen: TTF benoetigen 220 Minuten zum erfolgreichen Saisonauftakt

Aller Anfang ist schwer – das bekamen die TTF Liebherr Ochsenhausen bei ihrem Saisonauftakt-Spiel zu spüren. Im längsten und spannendsten Bundesligaspiel des 1. Spieltags mussten die Oberschwaben drei Stunden und 40 Minuten fighten, um gegen einen starken ASV Grünwettersbach einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg umzumünzen. „Die Jungs haben sich nach dem 0:2 nicht aufgegeben, das war wichtig“, so ein erleichterter Dmitrij Mazunov nach seinem Debüt als TTF-Cheftrainer.

Die gut 300 Zuschauer bei der Premiere in der Ehinger Sporthalle des Johann-Vanotti-Gymnasiums – angesichts des tollen Sommerwetters durchaus in Ordnung – bekamen gleich das volle Programm zu sehen inklusive des neu eingeführten Abschlussdoppels beim Spielstand von 2:2.

TTF am Anfang mit großen Problemen

Der Beginn war nämlich aus Sicht des deutschen Vizemeisters recht bescheiden, der um jedes Risiko zu vermeiden auf Hugo Calderano verzichtet hatte, der noch ein leichtes Ziehen im rechten Knie verspürte.

Zunächst fand Simon Gauzy gegen den Penholder-Spezialisten Dang Qiu gar nicht in sein Spiel und musste eine überraschende 1:3-Niederlage quittieren. „Simons Vorhand kam einfach nicht“, analysierte TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. „Er wollte dann auch zu sehr mit dem Kopf durch die Wand.“

Nun hoffte man, dass der an Position zwei aufgestellte neue Mann aus Österreich, Stefan Fegerl, die TTF zurück ins Spiel bringen würde. Doch sein Gegner, der deutsche Nationalspieler Ricardo Walther, hatte einen bärenstarken Tag erwischt. Der von Triple-Sieger Borussia Düsseldorf gekommene Fegerl war bei seinem Debüt im Ochsenhauser Dress nicht gerade vom Glück begünstigt. Die ersten beiden Durchgänge gingen mit 10:12 und 13:15 denkbar knapp verloren. Dann kämpfte sich Fegerl vorbildlich ins Match zurück und egalisierte, um im Entscheidungssatz erneut knapp zu verlieren. Da war sicher mehr drin, doch sein Gegner hatte auch richtig gut gespielt. „Walther hat mit der Rückhand heute einfach alles getroffen“, so Pejinovic, der aber immer noch an den Erfolg glaubte. „Ich hatte zur Halbzeit 3:2 für uns getippt.“

Jakub Dyjas läutet die Aufholjagd ein

Dennoch stand es eben 0:2 zur Pause und die Situation war fraglos brenzlig, zumal das dritte Spiel zwischen Jakub Dyjas und Bojan Tokic völlig offen schien – der 22-jährige Pole hatte gegen den 15 Jahre älteren Slowenen schon öfters wichtige Matches verloren und bei einem solchen Rückstand des eigenen Teams strotz man im Normalfall nicht gerade vor Selbstvertrauen. Zudem war Dyjas letzte Saison nicht unbedingt der nervenstärkste Ochsenhauser. Doch diesmal behielt er die Übersicht und spielte sein Spiel ohne erkennbare Nervosität. Zudem zeigte er sich nervenstark und gewann die umkämpften beiden ersten Sätze jeweils mit 11:9. Und als er im dritten Durchgang eine komfortable 9:3-Führung fast verspielt hatte – Tokic war auf 8:9 herangekommen –, behielt der Ochsenhauser einen kühlen Kopf und machte die nötigen drei Punkte in Folge zum 1:2-Anschluss für die TTF.

Nun musste Simon Gauzy nachlegen, um die Oberschwaben ins Doppel zu retten. Doch sein Gegner hieß Ricardo Walther – und der war richtig gut drauf. Immerhin hatte der 23-jährige Franzose den Frust vom ersten Match abgeschüttelt und ging das hochklassige Duell gut fokussiert an. Zweimal konnte er nach Sätzen vorlegen, zweimal sein Gegner egalisieren. Im Entscheidungssatz zog Gauzy nach dem Seitenwechsel von 4:5 auf 9:5 davon, doch sein Kontrahent kam gegen Ende nochmals stark auf. So brauchte der Ochsenhauser schließlich vier Matchbälle, um den so wichtigen 2:2-Ausgleich einzutüten.

Ein spannendes Premieren-Doppel mit gutem Ende

Es folgte die Doppel-Premiere in Ehingen und die TTF konnten eine nominell starke Formation in den Ring schicken – immerhin war Stefan Fegerl 2015 Europameister im Doppel und Jakub Dyjas Vize-Europameister im Jahr darauf. Dennoch bekamen es die beiden alles andere als leichtgemacht. Mit Dang Qiu/Bojan Tokic stand ihnen ein sperriges, schwierig zu spielendes Gäste-Doppel gegenüber, gegen das man sich Punkt für Punkt mühevoll erarbeiten musste. Besonders das Aufschlag-Rückschlag-Spiel von Qiu bereitete den TTF-Akteuren Problem. Zwar gewannen sie Durchgang eins, verloren dann aber die folgenden beiden Sätze – den dritten knapp und mit Pech.

Erneut stand Ochsenhausen mit dem Rücken zur Wand, nun mussten unbedingt zwei Sätze gewonnen werden. Als Fegerl/Dyjas im vierten Satz eine 4:1-Führung verspielt hatten und die Gegner mit 5:4 in Front lagen, hielt mancher in der Halle die Luft an. Doch ein Time-out von Dmitrij Mazunov im richtigen Moment brachte das TTF-Duo zurück ins Match – man spielte den Satz fast fehlerfrei zu Ende und machte aus dem 4:5 ein 11:6. Auch im letzten Satz bewiesen die beiden Ochsenhauser den längeren Atem, als sie aus der Bedrängnis ihr bestes Tischtennis spielten und einen 4:6-Rückstand in eine 9:6-Führung und wenige Augenblicke später in den 11:7-Sieg ummünzten. Tiefes Durchatmen, man hatte den Krimi gewonnen!

Mazunov und Pejinovic erleichtert und zufrieden

„Wir haben schlecht angefangen, die Jungs sind schwer ins Spiel gekommen“, so Cheftrainer Dima Mazunov. „Sie haben aber gekämpft wie die Löwen und sind am Ende belohnt worden.“ Der neue Chef auf der Kommandobrücke hatte sich schon gedacht, dass es schwierig werden könnte. „Gerade am Anfang einer Saison weiß man nie so genau, wo man steht“, so Mazunov. „Vieles muss sich da erst einspielen. Schließlich hatten wir letzte Saison sogar die ersten drei Spiele verloren.“ Umso wichtiger sei es, dass es geklappt hat. „Dass wir dieses schwierige Spiel umbiegen konnten, gibt natürlich Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben.“ Am 31.08. geht es weiter mit dem Heimspiel gegen Saarbrücken: „Jetzt haben wir knapp zwei Wochen Zeit, um uns gut auf Saarbrücken vorzubereiten. Wir werden die Zeit nutzen.“

Kristijan Pejinovic stimmte mit der Analyse des Cheftrainers überein. „Das war nicht einfach, am Anfang muss man erst mal seinen Rhythmus finden“, sagte er kurz nach der Partie. „Vieles war neu, eine neue Halle, ein neuer Trainer, ein neuer Spieler, das Doppel neu - das sind alles kleine Faktoren, die aber in der Summe schon eine Bedeutung haben. Ich bin froh, dass unsere Jungs es gemeistert haben und jeder etwas zum Sieg beitragen konnte.“ Auch für den neuen Trainer sei der erfolgreiche Auftakt wichtig gewesen. „Prima, dass Dima einen guten Einstand hatte, früher hat er immer neben dem Trainer gesessen und heute war er zum ersten Mal Chef am Rande der Bande.“ Es sei nicht einfacher für die TTF in der Bundesliga geworden: „Früher waren wir die Jäger, seit etwa einem Jahr sind wir eher die Gejagten, gegen die die anderen locker aufspielen, da sie nichts zu verlieren haben.“

Besonders gefreut hat den TTF-Chef, dass auch Ehinger Basketballer im Publikum saßen und die Tischtennis-Asse aus Oberschwaben anfeuerten: „Herzlichen Dank für die Unterstützung durch das Team Ehingen Urspring! Circa 30 Basketballer waren da und standen wie ein Mann hinter uns, darunter auch Spieler der Zweitliga-Mannschaft.“

Das Spiel in der Übersicht

Simon Gauzy – Dang Qiu 1:3 (6:11, 14:12, 7:11, 9:11)

Stefan Fegerl – Ricardo Walther 2:3 (10:12, 13:15, 11:7, 11:8, 9:11)

Jakub Dyjas – Bojan Tokic 3:0 (11:9, 11:9, 11:8)

Simon Gauzy – Ricardo Walther 3:2 (11:9, 4:11, 11:6, 7:11, 12:10)

Stefan Fegerl/Jakub Dyjas – Bojan Tokic/Dang Qiu (11:9, 7:11, 10:12, 11:6, 11:7)