German Open: Jakub Dyjas und Simon Gauzy mit starken Auftritten

German Open 2018 in Bremen

German Open: Jakub Dyjas und Simon Gauzy mit starken Auftritten

Keine 48 Stunden nach dem „Spiel der Spiele“ in Düsseldorf im den Einzug ins Finale der Champions League stehen die TTF Liebherr Ochsenhausen vor einem weiteren „Spiel der Spiele“. In der Dr.-Hans-Liebherr-Halle stellt sich der TTBL-Zweite Fulda-Maberzell zum ersten Play-off-Halbfinale vor.


Ein Gegner, an den man aus der letzten Saison keine guten Erinnerungen hat, da man sich an den Osthessen mit ihrer berühmt-berüchtigten Defensiv-Wand in der Runde der besten Vier die Zähne ausbiss.


Es handelt sich um die einzige Chance, in diesem Wettbewerb vor heimischer Kulisse etwas zu bewegen, da ein mögliches drittes Spiel bei Gleichstand in Fulda ausgetragen würde und das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 26.05. in Frankfurt am Main über die Bühne geht. Dementsprechend wollen die jungen Oberschwaben unbedingt einen Sieg vorlegen. Ein solcher würde zweifellos auch das Selbstbewusstsein für das Rückspiel sechs Tage später in Fulda erhöhen – eine gegebenenfalls erforderliche dritte Partie würde am 21.04. stattfinden.


Mit den Defensiv-Assen Wang Xi und Ruwen Filus sowie dem dänischen Linkshänder Jonathan Groth, der vor Kurzem in der Liga sogar Timo Boll besiegt hat, ist der Gast aus Hessen hochkarätig besetzt, zumal es sich um eine bestens eingespielte Truppe handelt. Der Gegner hat mit 28:8 Punkten eine tolle Runde gespielt, alle drei Spieler sind richtig stark und können an guten Tagen jeden Ochsenhausener in arge Bedrängnis bringen, umgekehrt kann aber auch jeder TTF-Akteur jeden Maberzeller schlagen, sofern die Tagesform passt. Es ist ein klassisches 50:50-Spiel, bei dem voraussichtlich Nuancen den Ausschlag über Sieg oder Niederlage geben werden.
Die TTF wollen etwas gutmachen – die letzte Saison mit ihrem unglücklichen Ende ist noch nicht vergessen. Fulda war in der Tat lange der Angstgegner der TTF Liebherr Ochsenhausen. In der Bundesliga hatte man die Osthessen im August 2015 geschlagen und dann gab es lange Zeit nur noch Niederlagen. 2015/16 hatte man in der Rückrunde in Fulda verloren und 2016/17 zog man gegen Wang Xi und Co. gleich viermal den Kürzeren. Zwei hautengen Vier-Stunden-Partien in der Punktrunde – beide unglücklich mit 2:3 verloren – standen zwei zumindest vom Ergebnis deutliche Niederlagen in den Play-off-Halbfinals gegenüber. Nach dem 0:3 in Ochsenhausen und dem anschließenden 1:3 in Fulda waren die TTF-Spieler konsterniert, hatten sie doch darauf gesetzt, ein drittes Match in der Dr.-Hans-Liebherr-Halle zu erzwingen. Personifiziert wurde die schwarze Serie gegen Maberzell in Ruwen Filus, der in der letzten Saison eine gigantische 7:0-Bilanz gegen Ochsenhausen erspielte.


Doch in der ersten Vorrunden-Partie der laufenden Saison, die noch mit einer denkbar knappen 2:3-Niederlage endete, nahm Hugo Calderano Filus endlich den Mythos der Unbesiegbarkeit. Und im Bundesliga-Rückspiel in Fulda am 10.12. letzten Jahres überwanden endlich auch die TTF als Team den „Fulda-Fluch“ und siegten mit 3:2. Calderano schlug erneut Filus und im zweiten Durchgang gelang dieses Kunstück auch noch Yuto Muramatsu, der im Defensiv-Duell mit 3:0 erfolgreich war. Es kann also durchaus funktionieren und man hat gesehen, dass auch Fulda und Ruwen Filus ungeachtet ihrer hohen Qualität nur mit Wasser kochen. Respekt ist grundsätzlich angebracht, Angst aber nicht - und nur so kann man gewinnen.


Cheftrainer Dubravko Skoric zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, dass wir es schaffen können.“ Einfach werde es nicht. „Natürlich wird es wieder ein ganz anderes Spiel gegen Fulda als am Freitag in Düsseldorf und sicher wird es nicht leichter werden“, so Skoric. „Wir haben jetzt als Mannschaft einige Monate nicht mehr gegen Abwehr gespielt und unser Gegner hat zwei Top-Abwehrspieler.“ Dies sei jedoch kein Grund zum Pessimismus. „Die Jungs wissen natürlich schon, wie sie dagegen zu spielen haben, so dass es ihnen durchaus gelingen kann, den Fokus entsprechend umzulegen“, sagt Skoric. „Und Hugo Calderano spielt ja auch inzwischen sehr gut gegen Filus.“ Aber man dürfe nicht nur die Maberzeller Defensivspieler im Auge haben: „Auch Groth ist sehr stark geworden.“


Sportmanager Daniel Zwickl freut sich einfach darauf, dass die TTF nach schwierigen Wochen jetzt in zwei wichtigen Halbfinals stehen. „Natürlich wollen wir auch gegen Fulda gewinnen, gehen aber mit der nötigen Gelassenheit ins Spiel und wollen es auch genießen. Mehr Druck sollen die anderen haben.“ Präsident Kristijan Pejinovic weiß natürlich, dass es „ein extrem schwieriges Wochenende mit zwei hochkarätigen Halbfinals“ wird. Pejinovic sieht auch eine mentale Zwickmühle bei den jungen Wilden aus Oberschwaben: „Gewinnt unser Team in Düsseldorf, gibt das sicher viel Auftrieb für den Sonntag, verliert es, muss man das erst mal verdauen.“ Jedenfalls gelte, wie auch schon für das Düsseldorf-Spiel am Freitag, dass man alles getan habe, um erfolgreich zu sein. „Wir haben uns grandios vorbereitet und gehen mit fünf fitten, top motivierten Spielern in die Partie“, so Pejinovic. „Was dann wird, werden wir sehen. Ich bin aber optimistisch und denke, dass uns die Fans puschen werden. Wichtig ist, dass wir jetzt einfach nochmal alles geben.“

 

DIE MANNSCHAFTEN

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell
Wang Xi GER, 34 Jahre, Weltrangliste Platz 328, TTBL-Bilanz 16:7
Jonathan Groth DEN, 25 Jahre, WRL 18, TTBL 13:8
Ruwen Filus GER, 30 Jahre, WRL 21, TTBL 16:11
Durchschnittsalter der Mannschaft: 29,66 Jahre
Cheftrainer: Qing Yu Meng CHN, 44 Jahre

 

TTF Liebherr Ochsenhausen
Simon Gauzy FRA, 23 Jahre, WRL 10, TTBL 12:5, TTCLM 8:2
Hugo Calderano BRA, 21 Jahre, WRL 12, TTBL 14:7, TTCLM 6:5
Yuto Muramatsu JPN, 21 Jahre, WRL 95, TTBL 5:4, TTCLM 2:1
Jakub Dyjas POL, 22 Jahre, WRL 64, TTBL 9:6, TTCLM 4:4
Joao Geraldo POR, 22 Jahre, WRL 86, TTBL 3:4, TTCLM 1:3
Durchschnittsalter der Mannschaft: 21,8 Jahre
Cheftrainer: Dubravko Skoric HRV, 56 Jahre

Die German Open, die am Sonntag mit dem Turniersieg des ehemaligen Weltranglisten-Ersten Ma Long (China) endeten, haben sich auch aus Sicht der TTF Liebherr Ochsenhausen als hochinteressantes Turnier erwiesen. Zwei der vier Starter des oberschwäbischen Topklubs setzten Akzente und glänzten in Bremen.


Zu nennen ist zunächst Jakub Dyjas, der ein vorzügliches Turnier spielte und seine ansteigende Form der letzten Wochen eindrucksvoll bestätigte. Mit 4:0 (11:8, 11:9, 12:10, 11:8) triumphierte EM-Bronzemedaillengewinner Dyjas, der zuvor seine Qualifikationsgruppe mit zwei Siegen gewonnen und in seinem ersten Zwischenrunden-Match den Franzosen Andrea Landrieu in fünf Durchgängen ausgeschaltet hatte, in der zweiten Relegationsrunde gegen den favorisierten Chinesen Fang Bo und schaffte damit den Einzug ins Hauptfeld. Natürlich steht Fang Bo, Vize-Weltmeister von 2015, in der aktuelle Weltrangliste nur noch auf Platz 48, was aber dem Umstand geschuldet ist, dass der Chinese in den letzten Monaten nicht allzu viele Turniere gespielt hat. Vom Leistungsvermögen her ist er jedenfalls ein TOP15-Mann. Dyjas selbst ist auf Rang 77 eingestuft – und auch das ist eigentlich zu tief für den jungen Polen, der nach einem mehrmonatigen Tief seit einigen Wochen wieder mächtig im Aufwind ist. Hochzufrieden war TTF-Präsident Kristijan Pejinovic: "Und wieder ein Spieler aus Ochsenhausen, der einen Chinesen 4:0 schlägt!".


Zur Belohnung durfte der 22-jährige Bundesligaprofi der TTF – nein, eine einfache Auslosung hatte Dyjas wirklich nicht erwischt! – in der 1. Hauptrunde erneut gegen einen Chinesen ran, diesmal gegen den Weltranglistenfünften Xu Xin, der nochmal eine ganze Klasse besser ist als Fang Bo. Dass es gegen Xu noch nicht reichen würde, war zu erwarten. Dyjas spielte aber beim 5:11, 11:9, 8:11, 6:11, 11:9, 5:11 phasenweise sehr gut mit. Zwei Sätze gegen einen stark spielenden Xu zu gewinnen ist gar nicht so übel. Zudem war seine Körpersprache gut, er wirkte sehr konzentriert und selbstbewusst. Insgesamt waren das Auftritte, die auch die TTF hoffen lassen in Hinblick auf die bevorstehenden schwierigen Aufgaben.


Der Weltranglistenachte Simon Gauzy war direkt für das Hauptfeld gesetzt. In der ersten Runde schaltete er den bissig wirkenden Ex-Grenzauer Andrej Gacina in einem Nerven-Duell mit 4:3 aus (11:3, 4:11, 4:11, 11:9, 11:7, 5:11, 11:5). Tags darauf traf Ochsenhausens Franzose im Achtelfinale auf den starken Hongkong-Chinesen Ho Kwan Kit. Auch hier ging es wieder über die volle Distanz – und auch hier konnte Gauzy im Entscheidungssatz nochmals zulegen, so dass es zum Sieg reichte (11:7, 8:11, 8:11, 11:9, 11:9, 6:11, 11:5). Das Viertelfinale bei einem derart hochkarätig besetzten Turnier erreicht zu haben, ist absolut in Ordnung. Und womöglich wäre es in die Medaillenränge gegangen, hätte Gauzy nicht in der Runde der besten Acht dem späteren Finalisten Xu Xin gegenübergestanden. Zwar legte der 23-jährige TTF-Profi los wie die Feuerwehr und gewann die ersten beiden Sätze, konnte aber diesen hohen Level gegen einen immer stärker werdenden Xu nicht halten und verlor dann vier Durchgänge in Folge zum 12:10, 11:9, 5:11, 10:12, 3:11, 7:11. Man mag spekulieren, ob das Match in eine andere Richtung gelaufen wäre, hätte Gauzy den engen vierten Satz nicht in der Verlängerung verloren. Er wäre mit 3:1 in Führung gegangen und für seinen Gegner wäre es dann vielleicht auch nervlich anstrengend geworden – aber das ist Spekulation und Konjunktive führen im Leiastungssport bekanntlich nicht weiter.


Nicht zufrieden war Hugo Calderano, der bei dem zweiten Turnier der Platinum-Kategorie binnen 14 Tagen nicht an seine tollen Leistungen von den Qatar Open anknüpfen konnte. Gegen den hochgewachsenen Schweden Mattias Karlsson ereilte den an 13 gesetzten Brasilianer das Aus bereits in der ersten Hauptrunde. Das Match ging mit 2:4 (9:11, 11:9, 8:11, 12:10, 6:11, 10:12) verloren.


Joao Geraldo verfehlte den Sprung ins Hauptfeld. Der 22-jährige Portugiese musste in seiner Gruppe dem Ex-Ochsenhausener Kirill Skachkov gratulieren, womit der zum Weiterkommen nötige Platz eins nicht mehr zu erreichen war.


Aber letztlich überwiegt eindeutig das Positive aus Ochsenhausener Sicht. Nach Calderano haben sich nun Dyjas und Gauzy bei einem der bestbesetzten, wichtigsten Turniere des Jahres in den Vordergrund gespielt, was zeigt, dass es mit den TTF-Assen weiter nach oben geht und sich die gute, intensive Trainingsarbeit definitiv auszahlt.