Liebherr Pokal-Finale: Platzhirsch TTF von drei Rivalen belauert

Nur noch ein Tag bis zum ersten Highlight in 2019

Liebherr Pokal-Finale: Platzhirsch TTF von drei Rivalen belauert

Nur noch ein Tag bis zum großen Pokal-Showdown. Am 05. Januar wird in der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena der erste Titel der Saison vergeben. Zwar werden die TTF Liebherr Ochsenhausen als TTBL-Spitzenreiter nach dem Ausscheiden von Boll und Co. von vielen in der Favoritenrolle gesehen, doch das heißt noch nicht viel.

 

Definitiv weiß man nur, dass der Cup am Samstag beim Final Four in neue Hände gehen wird. Der Seriensieger Borussia Düsseldorf, zuletzt sechsmal in Folge auf dem Podest ganz oben, wurde durch das 2:3 im denkwürdigen Viertelfinalmatch in Grünwettersbach vorzeitig entthront – und das nach einer 2:0-Führung. Natürlich würden sich die ASV-Asse, die in der Liga noch keine Bäume ausgerissen haben, nun am liebsten auch die Krone aufsetzen nach der Devise, wer Boll und Co. rauswirft, hat den Pokal verdient.

 

Doch drei Bundesligarivalen wollen das verhindern, darunter eben auch die Oberschwaben, die nicht nur in der Liga sondern auch im Pokalwettbewerb bisher recht souverän aufgetreten sind. Und die Ochsenhauser, die nur circa 45 Kilometer bis zur Arena zurücklegen müssen, werden viele Fans hinter sich haben – die ganze Region drückt ihnen die Daumen.

 

Gefährliche Rivalen


Betrachtet man die aktuelle Bundesligatabelle könnte man schnell zu falschen Schlüssen verleitet werden. Bis auf die TTF scheint nicht gerade die Crème de la Crème der TTBL in Neu-Ulm versammelt, jedenfalls ist kein Play-off-Kandidat unter den drei Pokalrivalen. Grenzau ist Siebter, Grünwettersbach Neunter und Bremen gar nur Zehnter des Tableaus.

 

Doch alle drei sind erfolgshungrig und gefährlich, sie haben sich die Teilnahme am Liebherr Pokal-Finale durch Viertelfinal-Erfolge über Spitzenmannschaften redlich verdient. Nicht nur die Grünwettersbacher glänzten nämlich in der Runde der besten Acht. Der in der Bundesliga bisher ehe schwach auftretende SV Werder Bremen schaltete die zur Spitzengruppe zählenden Bergneustädter Schwalben mit 3:1 aus, während die Asse des TTC Zugbrücke Grenzau sensationell beim 1. FC Saarbrücken mit 3:2 die Oberhand behielten – nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand. Alle drei sind heiß auf einen Pokal-Cup. Alle wissen, dass sie „nur“ zwei Siege benötigen, um einen begehrten Titel zu erobern und auf einen Schlag eine ganze Saison zur Erfolgsstory zu machen – eine geradezu einmalige Gelegenheit, bedenkt man, dass Boll und Co. nicht mitmischen dürfen, die natürlich jeder nutzen möchte.

 

Dmitrij Mazunov will ersten Pokalsieg als Trainer

 

Die Ochsenhauser hatten zwar zuletzt „nur“ den Zweitligisten Bad Hamm auf Distanz zu halten, dafür spielten sie allerdings im Achtelfinale Fulda-Maberzell – gewiss kein Leichtgewicht – in Rekordzeit in Grund und Boden.

 

Dreimal haben die TTF den Pokal bisher nach Oberschwaben geholt – in den Jahren 2002, 2003 und 2004 waren sie der Serienpokalsieger. Dmitrij Mazunov hatte zweimal als Spieler entscheidenden Anteil daran. Nun möchte der 47-Jährige zu gerne zum dritten Mal den Cup jubelnd in die Höhe recken – und das in seiner Debütsaison als Cheftrainer.

 

Die meisten Experten glauben daran, dass seinem Team der große Wurf gelingen kann. Immerhin haben die TTF mit Hugo Calderano, der übrigens in der am Mittwoch publizierten Januar-Weltrangliste seinen sechsten Platz gehalten hat, oder Simon Gauzy absolute Weltklassespieler im Kader. Calderano hat unlängst bei den Grand Finals einem Fan Zhendong das Fürchten gelehrt. Dazu sind noch der routinierte Österreicher Stefan Fegerl, der die letzten beiden Jahre mit der Düsseldorfer Borussia in Neu-Ulm triumphierte, sowie der junge Pole Jakub Dyjas dabei, dessen 9:2-Bilanz in der TTBL davon zeugt, wie gut er geworden ist. Zudem noch die meisten Fans im Rücken, kann da wirklich etwas schiefgehen? Es kann!

 

TTF vom Jäger zum Gejagten

 

Auf den Oberschwaben lastet automatisch – und das kann man auch nicht steuern – der größte Druck unter allen vier Mannschaften. Sie werden von den drei Mitbewerbern belauert, durch das Ausscheiden des Boll-Klubs sind sie vom Jäger zum Gejagten geworden. Obwohl ihr letzter Pokal-Triumph 14 Jahre zurückliegt, haben sie nun etwas zu verteidigen, während Halbfinalgegner Grenzau sowie Bremen und Grünwettersbach ungleich entspannter aufspielen können. Keiner erwartet von ihnen den großen Coup. Sie können folglich, im Gegensatz zu den TTF, nur etwas gewinnen. Gerade bei Dreiermannschaften und Spielen bis zum dritten Punkt kann schnell etwas passieren. Ein Spieler der schlecht geschlafen hat, ein anderer mit Nervenflattern – und schon steht es 0:2. Und dann muss man eine solche Partie, gerade wenn es um so viel geht, erst einmal umbiegen.

 

In der Liga etwa haben Calderano und Co. zweimal mit viel Kampf und auch etwas Glück gegen den ASV Grünwettersbach gewonnen – beide Male mit 3:2 nach 0:2-Rückstand. Da konnte man das Blatt wenden, doch wäre das auch vor 4.000 Fans bei der hohen Erwartungshaltung geglückt?

 

TTF halten den Ball flach

 

Dementsprechend hält man in Ochsenhausen den Ball flach. „Ich sehe uns nicht als Favoriten“, sagt „Dima“ Mazunov. „Zwar haben wir einen kleinen Vorteil dadurch, dass wir praktisch zu Hause spielen, aber am Ende wird die Tagesform entscheidend sein.“ Natürlich sind die Voraussetzungen nicht ungünstig. „Wir alle haben Weihnachten mit unseren Freunden und Familien verbracht. Wir haben die kurze Pause genutzt, um den Tank für die zweiten Saisonhälfte wieder aufzuladen“, so Mazunov. „Jetzt sind wir alle wieder im Training und fiebern dem Liebherr Pokal-Finale entgegen!“ Präsident Kristijan Pejinovic mahnt dennoch zur Vorsicht: „Die anderen Mannschaften haben in dieser Konstellation nichts zu verlieren, wir müssen vor allem einen kühlen Kopf bewahren. Denn auf dem Papier der Favorit zu sein, reicht nicht.“

 

Halbfinalgegner Grenzau top motiviert

 

Ochsenhausens Halbfinalgegner TTC Zugbrücke Grenzau spielt aktuell viel besser als in der Katastrophensaison 2017/18. Man hat mit Mihai Bobocica, Anders Lind und Marcelo Aguirre, allesamt positive, mannschaftsdienliche Typen, die richtigen Spieler in den Westerwald gelotst und zeigt wieder echten Team Spirit. „Für uns war es bereits eine Riesen-Überraschung, in Saarbrücken zu gewinnen“, so Grenzaus Präsident Knopf. „Dort hat die Mannschaft gezeigt, dass sie Potential hat.“ Auch Trainer Dirk Wagner sieht sein Team auf einem guten Weg und zeigt sich entschlossen: „Wir fahren nicht als Touristen für einen netten Ausflug nach Neu-Ulm. Wenn wir an einem solchen Event teilnehmen, wollen wir auch gewinnen.“ Die TTF werden auf der Hut sein und vom ersten Ball an den Kampf annehmen müssen. Mit spielerischer Klasse allein bringt man ein derart wichtiges Match nicht nach Hause und die Weltranglistenplätze zählen am Samstag ab 11 Uhr überhaupt nichts mehr.

Im anderen Halbfinale zwischen Grünwettersbach und Bremen zeichnet sich kein Favorit ab – ein klassisches 50:50-Spiel.

 

Viele Fans erwartet


Der Begeisterung tut es übrigens keinen Abbruch, dass bis auf den Lokalmatador alle Topmannschaften der TTBL ausgeschieden sind. Offenbar kommen die Fans auch, wenn sie weder Düsseldorf noch Boll zu sehen bekommen. Man hört, dass es einen neuen Final-Four-Besucherrekord mit mehr als 4.000 Menschen geben könnte. Der Vorverkauf ist vorzüglich gelaufen.

HALBFINALE (11 Uhr)
TTC Zugbrücke Grenzau – TTF Liebherr Ochsenhausen
SV Werder Bremen – ASV Grünwettersbach
FINALE: 14 Uhr

 

Das Team ist fit und Frisch für das Liebherr Pokal-Finale