Zwischenstand PAN AMERICAN GAMES: Zwei Goldmedaillen für Hugo Calderano, Olympia-Qualifikation geschafft

Zwischenstand PAN AMERICAN GAMES: Zwei Goldmedaillen für Hugo Calderano, Olympia-Qualifikation geschafft

Nach dem nicht von Erfolg gekrönten Saisonauftakt der TTF Liebherr Ochsenhausen gegen Saarbrücken soll am kommenden Sonntag mit acht Tagen „Verspätung“ der erste Saisonsieg unter Dach und Fach gebracht werden.


Zwar spielte das Team gegen den Meisterschaftsmitfavoriten aus dem Saarland gar nicht so schlecht und verlor mit Pech und sicher vom Endergebnis zu hoch, konnte aber bei Weitem noch nicht das Optimum abrufen. Deshalb soll nun eine Schippe draufgelegt werden, um in der Rhön gegen einen Klub zu bestehen, mit dem man sich in den letzten Jahren oft heiße Duelle geliefert hat.


Zwar ist Fuldas langjähriger „Abwehr-Riese“ Wang Xi nicht mehr dabei, jedoch muss das gerade in einer TTBL-Begegnung keine so erhebliche Beeinträchtigung bedeuten, da der vermeintlich schwächste Spieler ja nur ein Einzel bestreitet und – falls es eng wird – am Ende ohnehin das Doppel entscheidet, in dem ganz andere Konstellationen von Bedeutung sind.


Außerdem hat der 1,97 Meter lange Kroate Tomislav Pucar, Junioren-Europameister von 2017, in den letzten Monaten einen signifikanten Sprung nach vorne gemacht, diverse internationale Turniererfolge – unter anderem die Bronzemedaille im Herren-Einzel bei den European Games in Minsk – verbucht und sich in der Weltrangliste auf Platz 34 verbessert. Mit seinem aggressiven, kompromisslosen Angriffsspiel kommt Pucar immer öfter durch und ist für alle TTF-Asse ein sehr ernst zu nehmender Gegner. Zudem ist Fulda mit Ruwen Filus ja noch ein herausragender Defensivspieler geblieben, der dem deutschen Nationalkader angehört, reichlich internationale Erfahrung mitbringt und in der Bundesliga nach wie vor gute Resultate erzielt.


An Position drei ist Spielertrainer Qing Yu Meng gemeldet. Der 45-jährige Penholder-Spezialist ist im Doppel immer eine Option, im Einzel besitzt er eher gutes Zweitliga-Niveau. Viel wichtiger für den TTC, auch perspektivisch gesehen, ist, dass dessen 18-jähriger Sohn Fa Bo Meng sich nun im Oberhaus etabliert. Der talentierte Linkshänder war 2018/19 verletzungsbedingt lange außer Gefecht, ist nun aber fit und greift im Verein aber auch auf der World Tour an. Letzten Sonntag in Bergneustadt stand er erstmals zusammen mit seinem Vater im Team. Vater und Sohn gemeinsam in der deutschen Eliteliga am Tisch – nicht nur ein historisches Ereignis für den Klub aus Osthessen. Als Mann für besondere Fälle steht bei den Maberzellern auch noch der inzwischen 41-jährige Tischtennis-Weltenbummler Thomas Keinath bereit.

Die TTF-Spieler sind alle fit und brennen darauf, die Scharte vom Saarbrücken-Spiel auszuwetzen. Allerdings sind alle fünf die Woche über bei den Czech Open in Olmütz im Einsatz, weshalb es keine gemeinsame Vorbereitung in Ochsenhausen auf die bevorstehende Bundesligapartie geben kann. Fulda hat es da einen Tick einfacher, da nur Ruwen Filus und Fan Bo Meng in Tschechien am Start sind und Meng auch bereits ausgeschieden ist, sodass sich die meisten Spieler zu Hause in Ruhe auf die TTF vorbereiten können. Andererseits werden die Akteure aus Oberschwaben ihre Matches in Olmütz auch gezielt nutzen, um für den Sonntag gut präpariert zu sein.


Der TTF-Gegner hat seine erste Partie in Bergneustadt deutlich mit 0:3 verloren – nicht verwunderlich, da mit Tomislav Pucar der wichtigste Spieler wegen eines grippalen Infekts fehlte –, und brennt nun seinerseits auf den ersten Saisonsieg. Nun, Pucar wird sicher wieder dabei sein und somit wird den Oberschwaben eine starke Mannschaft gegenüberstehen, die vor heimischer Kulisse – in Fulda geht es durchaus emotional zur Sache, auch auf den Rängen – alles hineinwerfen wird, um den TTF ein Bein zu stellen. Eine Aufstellung Pucar, Filus, Fan Bo Meng ist nicht unwahrscheinlich, wobei Fulda Pucar taktisch an Position drei stellen könnte.


Letzte Saison gewannen Simon Gauzy, Stefan Fegerl und Jakub Dyjas das Auswärtsspiel mit 3:0 – und da war der inzwischen nach Grünwettersbach gewechselte Topmann Wang Xi noch dabei –, mussten aber im Rückspiel die einzige Saisonniederlage in Ehingen hinnehmen, die nach 2:0-Führung und einem kleinen „Filmriss“ nach der Pause gewiss unnötig war. So gesehen, hat man am Sonntag in der Rhön noch etwas gutzumachen.


„Die Niederlage gegen Saarbrücken ist abgehakt“, ist TTF-Cheftrainer Dmitrij Mazunov überzeugt. „Fulda wird ein schweres, aber anderes Spiel werden. Zwar wird es diese Woche aufgrund der Czech Open keine gemeinsame Vorbereitung geben, aber unsere Spieler wissen, was uns in Fulda erwarten wird und werden sich entsprechend individuell vorbereiten. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Sonntag den ersten Saisonsieg einfahren können.“

 

Die Mannschaften

 

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

Tomislav Pucar CRO, 23 Jahre, Weltrangliste Platz 34, TTBL: ---

Ruwen Filus GER, 31 Jahre, WRL 54, TTBL: 0:1

Qing Yu Meng GER, 45 Jahre, WRL ---, TTBL: 0:1

Thomas Keinath GER, 41 Jahre, WRL 476, TTBL: ---

Fan Bo Meng GER, 18 Jahre, WRL --- (U21-WRL Platz 140), TTBL: 0:1

Trainer: Qing Yu Meng GER, 45 Jahre

 

TTF Liebherr Ochsenhausen

Hugo Calderano BRA, 23 Jahre, WRL 6, TTBL: 0:1

Simon Gauzy FRA, 24 Jahre, WRL 20, TTBL: 0:1

Stefan Fegerl AUT, 30 Jahre, WRL 70, TTBL: 0:1

Jakub Dyjas POL, 23 Jahre, WRL 60, TTBL: ---

Vladimir Sidorenko RUS, 17 Jahre, WRL 193 (U21-WRL Platz 2), TTBL: ---

Cheftrainer: Dmitrij Mazunov RUS, 48 Jahre

Es war ein hartes Stück Arbeit für Hugo Calderano, bis die Titelverteidigung bei den Pan American Games in Lima geglückt war. Im Finale des Herren-Einzels gegen den „Dom-Rep-Chinesen“ Wu Jiaji musste der Weltranglisten-Sechste über die volle Distanz gehen, konnte am Ende aber nochmals eine Schippe drauflegen. . Calderano und Damen-Siegerin Adriana Diaz (Puerto Rico) lösten damit ihre Tickets für Tokio 2020.

 

Zweimal lag Calderano im Herren-Finale nach Sätzen hinten (1:2, 2:3), um am Ende gegen den Weltranglisten-648. mit 4:3 (11:8, 6:11, 8:11, 11:7, 8:11, 11:8, 11:2) die Oberhand zu behalten, der natürlich viel besser ist als seine Platzierung im Ranking vermuten lässt, da jene lediglich einer zu geringen Anzahl internationaler Wettkämpfe geschuldet ist. Wu Jiaji hatte zuvor namhafte Gegner wie Gustavo Tsuboi und Kanak Jha aus dem Turnier gekegelt, so dass der TTF-Star gewarnt war. Erst im siebten und letzten Durchgang hatte Calderano alles im Griff und Wu konnte nichts mehr draufpacken.

 

Auch das Semifinale war kein lockerer Abendspaziergang für den späteren Turniersieger gewesen. Gegen den erstaunlich lange auf Augenhöhe agierenden Kanadier Eugene Wang hatte der Ochsenhauser TTBL-Profi immerhin zwei Sätze eingebüßt. In den vorangegangenen Runden hatte der Weltranglisten-Sechste indes den Chilenen Juan Lamadrid (4:1) und den Mexikaner Marcos Madrid (4:0) ohne nennenswerte Schwierigkeiten ausgeschaltet.

 

Als Calderano in der entscheidenden Phase des Herren-Einzels um Edelmetall, Ehre und Olympia-Ticket kämpfte, hatte er bereits eine Goldmedaille im Rucksack. Am Mittwochabend durfte er sich gemeinsam mit Doppel-Partner Gustavo Tsuboi (TTC Neu-Ulm) über den Turniersieg im Herren-Doppel freuen. Allerdings war auch hier ein hartes Stück Arbeit erforderlich – die Elite Nord- und Südamerikas ist definitiv stärker geworden und enger zusammengerückt –, um im Finale das 4:2 (11:6, 12:14, 8:11, 11:6, 12:10, 12:10) gegen die prächtig harmonierenden Argentinier Gaston Alto/Horacio Cifuentes unter Dach und Fach zu bringen. Beim Satzstand von 2:2 entschieden die topgesetzten Brasilianer den vorentscheidenden fünften Durchgang nach ausgeglichenem Verlauf in der Verlängerung zu ihren Gunsten und ließen gleich noch ein weiteres 12:10 folgen.

 

Seit Donnerstag laufen die Mannschaftswettbewerbe, die am Samstag ihren Abschluss finden. Bei den Herren ist Titelverteidiger Brasilien mit Hugo Calderano hoher Favorit – es wäre die dritten Goldmedaille und damit die 100-prozentige Ausbeute für den TTF-Profi. Neben Calderano und Tsuboi steht der 25-jährige Eric Jouti (August-Weltrangliste Platz 64) im Team, der seit Jahren der Ochsenhauser Trainingsgruppe angehört. Auf den nachfolgenden Positionen der Setzliste finden wir Chile, die USA, Argentinien und Paraguay. Gespielt wird in vier Gruppen, deren Sieger und Zweitplatzierte sich für die Viertelfinals qualifizieren.

 

Endspiel und Halbfinals der Pan America Games 2019
Finale Herren
Hugo Calderano BRA – Wu Jiaji DOM 4:3 (11:8, 6:11, 8:11, 11:7, 8:11, 11:8, 11:2)


Halbfinals Herren
Kanak Jha USA – Wu Jiaji DOM 2:4 (11:9, 5:11, 4:11, 11:8, 7:11, 2:11)
Hugo Calderano BRA – Eugene Wang CAN 4:2 (8:11, 11:7, 11:6, 7:11, 11:9, 11:6)

Olympia-Qualifaktion geschafft - Hugo Calderano gewinnt die Panamerican Games Foto: Hugo Calderano