Derzeit sind 780 Beiträge online.

Es hat nicht gereicht: TTF verlieren zweites Champions-League-Viertelfinale mit 1:3

Es hat nicht sollen sein! Trotz eines dreidreiviertelstündigen Kampfes auf Biegen und Brechen zwischen zwei Teams auf Augenhöhe haben die TTF Liebherr Ochsenhausen am Freitagabend das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Borussia Düsseldorf mit 1:3 verloren und sind ausgeschieden. Der 3:2-Vorsprung aus dem Hinspiel hat vor 1.100 Tischtennis-Fans im ARAG CenterCourt, die ein Höllenspektakel veranstalteten, nicht gereicht.

 

Die Chance war groß, das Match in eine andere Richtung zu lenken, wurde jedoch nicht genutzt. Hätte etwa Hugo Calderano zu Beginn Timo Boll gepackt, gegen den er mit 2:1 Sätzen vorne lag, wären die TTF wohl weitergekommen. Auch ein Sieg von Simon Gauzy im vierten Match gegen den Österreicher Stefan Fegerl hätte gereicht, da das Satzverhältnis zu diesem Zeitpunkt eindeutig für die TTF sprach, so dass sie sich eine 2:3-Niederlage hätten erlauben können. Überhaupt hatten die jungen Ochsenhausener in der Summe beider Partien trotz des Ausscheidens noch das bessere Satzverhältnis - ein Indiz dafür, wie eng und umkämpft es beide Male zuging. Doch die Sätze waren am Ende nicht relevant und "wäre" oder "hätte" nützen nichts, im Sport zählen keine Konjunktive.

 

Das ursprüngliche Saisonziel Viertelfinale wurde erreicht, mehr eben nicht, da man sich schon Chancen auf das Halbfinale ausgerechnet hatte, die ja objektiv auch gegeben waren. Nun ist man draußen, muss versuchen, einen Erkenntnisgewinn aus dem sicher bitteren, da mit etwas mehr Glück und Cleverness vermeidbaren Ausscheiden herauszufiltern und kann sich voll und ganz auf Bundesliga und Play-offs konzentrieren.

 

Der Reifeprozess der jungen Mannschaft schreitet weiter voran und dieses prickelnde Königsklassen-Viertelfinal-Duell wird trotz des letztendlichen Scheiterns, vielleicht auch gerade deswegen, diesen Prozess noch beschleunigen. TTF-Präsident Kristijan Pejinovic brachte das später auf folgenden Nenner: "Das englische 'no pain no gain' trifft es recht gut, wir müssen das eben erst noch schmerzhaft durchlaufen. Uns fehlt noch die Siegererfahrung als Team. Und die Teamleistung war es auch, weshalb die Borussia am Ende diesen Ticken besser war als wir."

 

Hugo Calderano zog zum Auftakt gegen Timo Boll in fünf Sätzen den Kürzeren, obwohl sich der Weltranglisten-Zehnte im vorletzten Durchgang eine Leistenzerrung zugezogen hatte, weswegen er später auch ausgewechselt wurde. Doch da zeigte sich der kleine, feine Unterschied: Boll schaukelte mit all seiner Cleverness und Routine das Match noch nach Hause, während der TTF-Brasilianer zu ungestüm wurde und das Glück gegen die angeschlagene deutsche Tischtennis-Ikone erzwingen wollte. Boll hingegen nahm geschickt das Tempo heraus, vermied heftige Bewegungen, hielt Calderano kurz und ließ diesen die Fehler machen.

 

Simon Gauzy indes konnte gegen Anton Källberg in vier engen Sätzen egalisieren, so dass wieder alles offen war. Vorentscheidend dann Kristian Karlssons 3:2 über Jakub Dyjas, der - wie zuvor Calderano - mit 2:1 Sätzen in Front lag, dann aber doch noch seinem Gegner gratulieren musste. Am Ende war der Weltranglisten-22. aus Schweden sogar klar am Drücker, konnte sich dabei aber über mangelndes Glück nicht beschweren. Pejinovic: "Karlsson hatte in den letzten beiden Sätzen serienweise Netz- und Kantenbälle, was seinen Sieg aber nicht schmälern soll. Er hat einen guten Kopf und hatte immer die passende Antwort parat. Karlsson kam mit der Brechstange durch, während Jakub es einen Tick zu filigran versuchte. Allerdings müssen unsere Jungs allmählich lernen, 2:1-Führungen in wichtigen Partien auch durchzubringen."

 

Nun musste Simon Gauzy unbedingt punkten, um den TTF das Weiterkommen zu sichern, zu diesem Zeitpunkt war das Satzverhältnis ausgeglichen, somit hätte schon ein 3:2-Sieg des Franzosen den TTF das Halbfinale garantiert, da dann maximal noch ein Plus von zwei Sätzen für Düsseldorf möglich gewesen wäre, während die TTF im Hinspiel plus drei verbucht hatten. Doch es wurde nichts aus dem einkalkulierten sechsten Sieg in Serie gegen Timo Boll, für den zwischenzeitlich der Weltranglisten-21. Stefan Fegerl eingewechselt worden war. Pejinovic: "Gerade das war gut für die Borussia, Fegerl war frisch, voller Elan und hat sehr stark gespielt, während Simon doch etwas leer und ausgezehrt wirkte und zudem noch mit leichten Rückenproblemen zu kämpfen hatte, was aber sicher nicht spielentscheidend war." Gauzy unterlag mit 1:3 - die Messe war gelesen.

 

TTF-Cheftrainer Dubravko Skoric resümierte: "Es war ein fantastischer Kampf, den wir heute auch hätten gewinnen können, dafür hätte Düsseldorf aber auch in Ochsenhausen gewinnen können. Wir haben keinen Grund, niedergeschlagen oder entmutigt zu sein, nur wenige Bälle haben letztlich das Duell entschieden. Hugo hatte seine Chance, Timo zu schlagen. Im letzten Match war Fegerl frisch, während bei Simon der Akku leer war."

 

Und Kristian Pejinovic ergänzte noch: "Wir sind jetzt alle leer, die Spieler natürlich erst recht. Wenn Du alles versuchst - und die Jungs haben wie die Schweine gekämpft -, gibt es keinen Grund, sauer oder ärgerlich zu sein. Natürlich wären wir sehr gerne ins Halbfinale eingezogen, aber so ist halt Sport. Und wir haben in den beiden Viertelfinals großen Sport geboten. Wir werden diesen Geschmack der Niederlage im Mund behalten, diese Erfahrung wird unser Team wieder ein Stück voranbringen."

 

Nun gilt es, schnell die Köpfe frei zu bekommen, um am Sonntag im Bundesliga-Topspiel in Saarbrücken zu punkten, was nur möglich ist, wenn das Team an sich glaubt und alle am Limit spielen. Die Saarländer hatten übrigens mehr Glück als die TTF und haben am Abend trotz einer knappen Heimniederlage gegen Chartres das Champions-League-Halbfinale erreicht.

 

Borussia Düsseldorf - TTF Liebherr Ochsenhausen 3:1 (Sätze: 10:8)

Timo Boll - Hugo Calderano 3:2 (11:7, 15:17, 8:11, 11:7, 11:8)

Anton Källberg - Simon Gauzy 1:3 (12:10, 8:11, 9:11, 10:12)

Kristian Karlsson - Jakub Dyjas 3:2 (9:11, 11:5, 12:14, 11:3, 11:3)

Stefan Fegerl - Simon Gauzy 3:1 (11:4, 11:13, 11:9, 11:9)

 

Hinspiel: TTF Liebherr Ochsenhausen - Borussia Düsseldorf 3:2 (Sätze: 12:9)

Hugo Calderano - Anton Källberg 2:3 (4:11, 11:1, 11:9, 9:11, 7:11)

Simon Gauzy - Timo Boll 3:1 (11:6, 9:11, 11:5, 11:9)

Jakub Dyjas - Stefan Fegerl 3:1 (10:12, 13:11, 11:4, 11:6)

Hugo Calderano - Timo Boll 1:3 (4:11, 11:7, 4:11, 7:11)

Simon Gauzy - Anton Källberg 3:1 (10:12, 11:6, 11:7, 11:7)

Hauptsponsor

LIEBHERR

Platinpartner

TVmovie

Premiumpartner

  • EnBW
  • Kreissparkasse Biberach
  • Hotel Mohren
  • Gold Ochsen
  • DONIC
  • Dietenbronner Quelle